Bodenseeradweg – Reisebericht einer Bodenseeumrundung

Unsere Planung, den Bodensee auf einer mehrtägigen Radtour zu umfahren, entstand bereits in 2017. Im vergangenen Monat sind wir endlich dazu gekommen. Hier kommt der Reisebericht zu unserer Tour, mit Informationen zu Unterkünften und sehenswerten Orten entlang der Strecke.

Organisatorisches

Bis nach Konstanz, dem Start- und Endpunkt unserer Tour sind wir mit dem Auto angereist. Für die Dauer unserer Reise konnten wir es dort kostenlos auf einem Parkplatz abstellen.

Wir haben den Bodensee Radweg in vier Teilstrecken zwischen 65 und 90km aufgeteilt und im Vorfeld die Unterkünfte in den jeweiligen Zielorten gebucht. An vier Tagen waren wir also durchgehend am Bodensee unterwegs. Zusammen mit Hin- und Rückfahrt aus bzw. zum Niederrhein hatten wir demnach eine knappe Woche – sprich: 6 Tage eingeplant.

Vom Niederrhein bis an den Bodensee beträgt die Entfernung je nach Strecke zwischen 605 und 640 km. Das dauert laut Google Maps ungefähr 35 Stunden mit dem Rad, wenn man gut drauf ist oder je nach Verkehr zwischen 7 und 9 Stunden mit dem Auto oder der Deutschen Bahn.

Konstanz & Insel Mainau

Am Anreisetag war aus Zeitgründen keine längere Radfahrt mehr geplant. Von Konstanz aus bieten sich daher zwei Dinge an. Entweder man schaut sich die sehenswerte Innenstadt an oder man fährt zur Insel Mainau. Dort zahlt man nach 17:00 Uhr nur noch den halben Eintritt, nämlich 10,75 EUR pro Erwachsenen statt dem regulären Eintrittspreis von 21,50 EUR. Das sogenannte Sonnenuntergangsticket hat noch einen weiteren großen Vorteil: Am Abend ist die Insel deutlich weniger überlaufen als tagsüber. Obwohl man bis zum Sonnenuntergang auf der Insel bleiben kann, sollte man berücksichtigen, das die meisten Restaurants um 18:00 Uhr schließen. Wer sich auf jeden Fall das Schmetterlings- oder Palmenhaus ansehen möchte, sollte ebenfalls rechtzeitig kommen, denn diese schließen bereits um 19:00 Uhr.

Wer Blumen & Pflanzen mag, der kommt auf der Insel Mainau voll auf seine Kosten. Von beeindruckendem alten Baumbestand bis hin zu künstlerisch angelegten Blumengärten ist alles zu finden.

Die Stadt Konstanz ist natürlich auch ein Pflichtbesuch wenn man schon mal in der Nähe ist. Konstanz liegt direkt an der Grenze zur Schweiz, d.h. wenn man am Kreisverkehr falsch abbiegt, läuft man Gefahr vorher eine Vignette kaufen zu müssen. Dafür kann man bei klarem Himmel an verschiedenen Aussichtspunkten bereits Sicht auf die Alpen – im Winter sieht das bestimmt toll aus, wenn oben auf den Gipfeln Schnee liegt.

Der Stadtkern und insbesondere die Altstadt von Konstanz besticht durch seine historische Kulisse mit alten Gebäuden und deren kunstvoll verzierten Fassaden. Wie fast alle größeren Städte am Bodensee hat Konstanz einen Hafen mit Yachtanlegern und Fährverkehr z.B. zur Insel Mainau oder nach Friedrichshafen.

Konstanz gehört zu den Städten mit dem höchsten Radverkehrsanteil in Deutschland. Der Gemeinderat hat in 2016 extra ein „Handlungsprogramm Radverkehr“ beschlossen, das Radfahren in Konstanz attraktiver, sicherer und komfortabler machen soll. Viele Maßnahmen wurden bereits umgesetzt. Einige Straßen wurden zur Fahrradstraße ernannt und der Asphalt vollständig mit blauer Farbe eingefärbt. Im Allgemeinen kann man sagen, dass das Radverkehrsnetz wirklich gut ausgebaut ist. Es gibt fast überall Fahrradwege oder abgeteilte Bereiche für Radfahrer. Vor allem sind die Radwege in einem guten Zustand. Schlaglöcher wie am Niederrhein oder Wurzeln, die aus dem Straßenbelag wachsen, hab ich dort nicht finden können.

Darüber hinaus ist Konstanz Universitätsstadt, was man an dem großen Angebot an Gastronomie und Kultur sowie an den vielen jungen Leuten erkennen kann, die man in der Altstadt bei schönem Wetter antrifft.

Stein am Rhein, Schaffhausen & Gailingen

Unsere erste Tagestour führte uns zunächst vom Bodensee weg. Von Konstanz aus fuhren wir durch die Schweiz entlang des Untersees und des Rheins immer weiter bis zum Rheinfall in Schaffhausen.

Von den meisten Orten wie z.B. Gottlieben, Ermatlingen, Steckborn oder Mammern, durch die wir durchgefahren sind, hatte ich vorher noch nie etwas gehört. Allerdings haben sie auch keinen besonderen Eindruck bei mir hinterlassen, da wir mehr oder weniger nur daran vorbeigefahren sind. Die Stadt „Stein am Rhein“ ist hier allerdings eine Ausnahme. Zum Einen ist die Innenstadt wirklich malerisch und zum Anderen führte unsere Route geradewegs durch die Fussgängerzone.

In den verschiedenen Cafés und Restaurants rund um den Stadtbrunnen waren bereits viele andere Radfahrer einkehrt und so nutzten wir auch die Gelegenheit für eine erste Cappuccino-Pause.

Den Rheinfall in Schaffhausen erreichten wir nach 51 km. Hier war die Verkehrsführung durch angebrachte Umleitungsbeschilderungen nur schwer nachvollziehbar und wir entschieden uns dazu unsere Räder auf einem Fussgängerweg zum Rheinfall zu schieben.

Den Rheinfall selber hatte ich von meinem letzten Besuch irgendwie imposanter in Erinnerung. Entweder war an dem Tag strömungstechnisch dort nicht so viel los, oder es lag daran, dass mein letzter Besuch mehr als 35 Jahre zurückliegt und ich eben noch „klein“ war.

Natürlich muss man sich dieses Naturspektakel trotzdem ansehen. Wem es dort zu langweilig ist, für den ist vielleicht eine der angebotenen Bootsfahrten auf dem Rheinfall etwas. Die kleinen offenen Boote dürften beim Anfahren an die Wassermassen auf jeden Fall ordentlich schaukeln.

Vom Rheinfall aus ging es für uns noch ca. 20 km zurück bis nach Gailingen, unserem Ziel am ersten Tag. Gailingen gehört zwar zu den weniger schönen Orten, es lag aber kilometertechnisch günstig auf halber Strecke zu unserem nächsten Etappenziel Überlingen.

Außerdem befindet sich dort das empfehlenswerte Hotel Restaurant „Rheingold“, in dem wir an dem Tag übernachtet haben. Wie in den meisten Hotels am Bodenseeradweg bestand dort die Möglichkeit, die Räder über Nacht sicher einzuschließen. Im Gegensatz zu den anderen Unterkünften, die wir für unsere Tour ausgesucht hatten, verfügte das Hotel Restaurant Rheingold, wie der Name schon sagt, über ein eigenes Restaurant, in dem wir sehr lecker gegessen haben.

Nach dem Essen ging es nochmal zum örtlichen Lidl Markt, in dem wir uns für den Abend und den nächsten Tag mit Getränken versorgt haben.

Überlingen

Die zweite Etappe unserer Bodensee Radtour sollte sich als die Schwierigste herausstellen. Wenn man dem Bodenseeradweg folgen möchte, gibt es zwei mögliche Routen. Man fährt zunächst nach Radolfzell und dann entweder zurück nach Konstanz um am See entlang über Ludwigshafen nach Überlingen zu kommen. Alternativ entfernt man sich ab Radolfzell vom Bodensee und fährt über Bundesstraßen in einem größeren Bogen vom Untersee zum Obersee. Die erste Variante war uns mit über 100 km zu lang und die zweite Variante mit knapp unter 60 km zu kurz. Also entschieden wir uns dazu sozusagen für einen Mittelweg zwischen den beiden vorgeschlagenen Routen und für einen kleinen Schlenker um den Mindelsee. Das wir dadurch die zurückzulegenden Höhenmeter verdoppeln, hatte ich nicht auf dem Schirm. Zeitweise hat es an dem Tag auch noch geregnet, das hat uns dank Regenbekleidung aber nicht besonders gestört.

Manchmal kommt zu Unglück auch noch Pech dazu und so kam es, das wir auf Grund von Straßenarbeiten von einem äußerst unfreundlichem Bauarbeiter an der Weiterfahrt gehindert wurden. Anstatt die gerade zurückgelegte 1,5 km lange Abfahrt wieder hochzufahren, haben wir uns für eine Umleitung über eine kleine Forststraße entschieden, die zwar kürzer, aber dafür um so steiler war. Am Ende hat sie uns aber ein paar Extrakilometer erspart und so kamen wir nach ca. 95 km und 700 Höhenmetern in Überlingen an.

Überlingen ist eine größere Stadt mit schöner Einkaufsstraße, Marktplatz und Promenade direkt am Wasser. Wir sind in dem Hotel und Restaurant „Bürgerbräu“ untergekommen. Die Zimmer waren liebevoll eingerichtet und das Frühstück am nächsten Morgen war mit das Beste der gesamten Tour. Leider ist dort dienstags Ruhetag, daher mussten wir uns auswärts essen. Vom Anwohnern erhielten wir Empfehlungen fürs Abendessen – das gut bürgerliche „Weinstein“ oder das italienische Restaurant „allegretto“ in der Nähe des Hafens neben der Markthalle sollen gut sein. Da es zu dem Zeitpunkt in Strömen geregnet hat und wir das „allegretto“ zuerst gefunden haben, stand die Entscheidung für italienisches Essen fest. Das Essen dort war jedenfalls reichlich und sehr lecker – können wir bedenkenlos weiterempfehlen.

Meersburg, Friedrichshafen & Insel Lindau

Tag 3 sollte mit knapp 60 km die kürzeste Tour ohne nennenswerte Höhenmeter werden. Nach den Erfahrungen des Vortags war uns das ganz recht. Von Überlingen aus fährt man über weite Strecken direkt am See, allerdings führt der Bodenseeradweg auch häufig „in zweiter Reihe“ vom Wasser weg, so das man den Bodensee zwar oft sehen kann, aber eben nicht direkt am Wasser entlang fahren kann. Das ist schade.

Zwischen Überlingen und Meersburg liegt das Archäologische Freilichtmuseum Unteruhldingen. Wer sich dafür interessiert kann sich dort über historische Pfahlbauten informieren. Mit unseren Packtaschen wollten wir die Räder nicht unbeaufsichtigt abstellen, daher mussten wir leider darauf verzichten.

Als nächste größere Stadt kommt man durch Meersburg. Dort ist es wirklich nett und es bietet sich mal wieder eine Cappuccino-Pause an. Gelegenheit dazu gibt es vor Ort genug.

Bis zur nächsten größeren Stadt Friedrichshafen durchfährt man die Ortschaften Hagenau und Immenstaad. Im weiteren Verlauf des Bodenseeradweges dann unter Anderem Langenargen, Kressbronn, Nonnenhorn und Wasserburg. Bestimmt sind das alles schöne Orte, es heißt aber nicht umsonst „Radtour“ und man kann sich aber nicht alles angucken.

Hier ein paar Bilder von unterwegs:

Um auf die Insel Lindau zu kommen, muss man einen Bahnübergang mit insgesamt vier Gleisen überqueren. Sollten die Schranken gerade geschlossen sein, wie in unserem Fall, kann es wirklich lange dauern, bis der Schrankenwärter sie wieder öffnet. Es gibt sogar Schilder neben der Gleisanlage, die auf einen anderen Bahnübergang hinweisen, bei dem mit kürzeren Wartezeiten zu rechnen ist.

Lindau ist ein schönes Städtchen mit vielen kleinen, bunten Gassen. Wir haben im Inselhotel Lindau übernachtet, das direkt in der Innenstadt liegt. Bei unserem Abendspaziergang über die Einkaufsstraße haben wir die Eisdiele „La Gelateria“ entdeckt. Wer einmal dort in der Nähe ist, sollte unbedingt die Eissorte dunkle Schokolade probieren – superlecker!

Das Hotel hat uns am nächsten Morgen mit einem Feueralarm geweckt. Zum Glück war es wohl nur ein Fehlalarm in einem der Zimmer über uns, so dass die Feuerwehr uns schnell wieder in unsere Zimmer lassen konnte. Die Hotelmitarbeiterin aus der Küche brauchte noch ein Weilchen um des Schreck zu verdauen, dann gab es Frühstück.

Zurück zum Start nach Konstanz

Der letzte Teilabschnitt führte uns von Lindau über Bregenz in Österreich wieder zurück nach Konstanz. Für mich war es der schönste Teil des Bodenseeradwegs. Die ausgebauten Fahrradwege in Österreich und der Schweiz sind wirklich toll zu befahren und wurden am Vatertag auch von vielen Menschen genutzt.

Nebenbei bemerkt haben wir unterwegs keine „Väter-Gruppen“ mit Bollerwagen getroffen. Das scheint wohl nur bei uns zu Hause so üblich zu sein.

Bregenz ist eine der größten Städte, die man auf dem Weg besuchen kann. Wir kannten Bregenz schon, da wir im letzten Jahr auf der Rückfahrt von unserem Radurlaub in Italien einen Zwischenstop im dortigen JUFA Hotel eingelegt hatten. Außerdem war es für eine weitere Pause noch zu früh. Aus diesem Grund sind wir dieses Mal daran vorbeigefahren. Wer Bregenz noch nicht kennt, sollte den Abstecher in die Innenstadt aber einplanen.

Nachdem wir uns irgendwo bei Hard, Fußach oder Höchst ordentlich verfahren hatten, half uns eines sehr netten Pärchens mit Hund, wieder den Weg zurück zum Bodenseeradweg zu finden. Kurze Zeit später überquerten wir erneut die Grenze und fuhren fortan weiter auf der Schweizer Seite.

Die nächste Pause legten wir in Rorschach ein. Dort gab es einen Fähranleger und dementsprechend viel zu gucken, während wie einen schmackhaften aber stark überteuerten Salat aßen.

Von Rorschach ging es immer weiter entlang der Bahnlinie zurück bis nach Konstanz, das wir nach 75 km erreichten.

Insgesamt legten wir in den vier Tagen 325 Kilometer und ca. 1800 Höhenmeter zurück. Da unsere Routenplanung nicht immer optimal war, haben wir uns ein paar überflüssige Höhenmeter selbst eingebrockt. Der Bodenseeradweg ist insgesamt sehr schön zu befahren, allerdings hätte ich mir gewünscht, dass er häufiger direkt am Wasser entlang führt.

Weiterführende Informationen

Wie die meisten Radreisewege hat auch der Bodenseeradweg eine eigene Homepage. Diese findet man unter https://www.bodensee-radweg.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll Up