Das Ampler Stout im Test

Während der vergangenen vier Wochen war das neue Commuter E-Bike Stout von Ampler mein Transportmittel auf dem Weg ins Büro und wieder zurück nach Hause. Es kam bei Wind und Wetter zum Einsatz. Manchmal gab es auch noch eine kleine Ausfahrt in der Mittagspause – verhältnismäßig realistische Pendlerbedingungen also.

Das Stout hebt sich meiner Meinung nach durch zwei Besonderheiten von der Masse ab. Zum Einen kommt es als E-Bike fast unscheinbar daher. Dadurch dass der Akku völlig unsichtbar im Unterrohr versteckt ist, unterscheidet es sich auf den ersten Blick kaum von normalen Trekking Rädern. Wenn man genauer hinsieht, entdeckt man natürlich den Hinterradnabenmotor und die Ladebuchse mit dem leuchtenden LED Ring auf dem Einschaltknopf, der den Ladezustand des Akkus anzeigt.

Die zweite Besonderheit ist das geringe Gewicht. Mit etwas über 17 kg ist es wesentlich leichter als die meisten anderen E-Bikes. Mitunter können diese ja auch schon mal bis zu 25 kg wiegen. Dadurch dass sich das Hauptgewicht des Akkus im gesamten Unterrohr verteilt, liegt der Schwerpunkt zudem günstig in der Mitte des Rades. Es fährt sich wirklich wie ein normales Trekking Rad, und man kann es auch mal eine Treppe hochtragen ohne direkt Rückenschmerzen zu bekommen.

Wie fährt sich das Stout?

Wie bereits geschrieben, fährt das Stout überzeugend gut. Das etwas höhere Gewicht, im Vergleich zu einem herkömmlichen Fahrrad ohne Motor, wirkt sich nicht negativ auf die Fahreigenschaften aus. Die 42 mm breite Bereifung fährt komfortabel und sicher z.B. auch auf Schotter oder Waldwegen. Auch die eine oder andere Unebenheit wird von den Reifen geschluckt, sofern man sie nicht mit 6 Bar aufpumpt. Als Mantel hat Ampler den Continental Topcontact II mit „Vectran“ Pannenschutzeinlage aufgezogen. Dabei handelt es sich um einen Allrounder für den Stadtverkehr, der sich durch guten Grip und hoher Widerstandsfähigkeit gegen Durchstiche auszeichnet. Eine gute Wahl wie ich finde, denn wer will auf dem Weg zur Arbeit schon den Schlauch wechseln?

Der Motor unterstützt den Fahrer bis zur eingestellten Geschwindigkeit, vor allem beim Anfahren ist das vergleichbar mit starkem Rückenwind. Bergauf wirkt der Elektroantrieb ebenfalls unterstützend, allerdings verliert der Motor am Berg schnell an Kraft.

Rahmen und Lackierung

Mein Testrad kam in der kleineren der beiden erhältlichen Rahmengrößen in der Farbvariante Graphit Grau. Dabei handelt es es sich um eine hochglänzende dunkelgraue Metallic-Lackierung, die vom Ampler eine besonders große Extraportion an glitzernden Metallpartikeln bekommen hat. Wer es etwas schlichter mag, kann sich für die matte Alternative „Pine Green“ enttscheiden. Beide Farben sind meiner Ansicht nach aber sehr schön und wirken eher zurückhaltend und gedeckt als auffällig.

Besonders gut gefallen mir einzelne Punkte, die bei der Rahmenkonstruktion berücksichtigt wurden. Z.B. die Durchführung der Hydraulikleitung zur Vorderradbremse durch die Gabel oder die Steckverbindung, die die vordere Lampe mit Strom versorgt, sind schöne Details. Ebenfalls hervorzuheben sind die wirklich guten Schweißnähte, die man nicht jeden Tag in solcher Gleichmäßigkeit und Ausführungsqualität findet.

Die Geometrie des Alu-Rahmens ermöglicht eine eher aufrechte und weniger sportliche Sitzposition – für relativ gemütliches fahren also. Die gerade Gabel ist ebenfalls aus Aluminium und ungefedert. Für eine höhere Stabilität des Vorderrades sorgt eine 12mm Steckachse.

Was mir gefehlt hat, ist ein Rahmenschloss. Darauf wurde herstellerseitig vermutlich aus Gewichtsgründen verzichtet. Gegen Aufpreis kann man bei Ampler aber ein Abus Bordo Faltschloss mitbestellen.

Cockpit, Sattel und sonstige Anbauteile

Die Art des Lenkers wurde ebenfalls für bequeme Fahrten ausgewählt. Die ca. um 45° in Richtung Fahrer gebogenen ergonomischen Griffe mit einer kleinen Handballenauflage bieten guten Grip, bei relativ natürlicher Haltung der Arme und Handgelenke. Die Brems- und Schalthebel sind gut zu bedienen, ebenso die an der linken Seite angebrachte Klingel, die zwar stylisch aussieht, aber leider etwas leise und dadurch nicht besonders gut zu hören ist.

Der Sattel ist Trekkingrad-typisch etwas breiter. Obwohl er gepolstert ist, habe ich ihn keineswegs als zu weich empfunden. Die ausgeformte Mitte sorgt dafür, dass empfindliche Sitzbereiche etwas entlastet werden.

Eine weitere Besonderheit ist das in der Sattelstütze eingearbeitete Rücklicht, in Form von fünf untereinander angeordneten, leuchtstarken LEDs. Die obersten Beiden stehen etwas aus der Sattelstütze heraus, so dass sie auch von der Seite aus einigermaßen gut zu sehen sind. Ein wirklich schönes Detail wie ich finde. Als Vorderlicht dient das kleine IQ2 EYC von Busch & Müller. Trotz der geringen Größe ist es 50 Lux hell und leuchtet den Bereich vor dem Rad ganz ordentlich aus. Ein Dynamo gibt es logischerweise nicht, die Stromversorgung der Beleuchtung erfolgt durch den eingebauten Akku.

Die Schutzbleche sind aus Metall und sehr stabil ausgeführt. Sie sind in Rahmenfarbe lackiert. Auf dem matt-schwarzen Gepäckträger mit Spanngummi kann man unterwegs kleinere Dinge transportieren oder, wie in meinem Fall, eine Fahrradtasche anbringen.

Der Antrieb

Über eine Standard Kurbelgarnitur der Marke Driveline mit doppelseitigem Kettenschutzring und einem Kettenblatt mit 42 Zähnen wird die Kraft auf die Shimano Tiagra CS-HG500 10 fach Kassette mit der Abstufung 11-32 übertragen. Das schalten der verschiedenen Gänge übernimmt das Shimano RD-T6000 Deore Schaltwerk zuverlässig, aber nicht besonders geräuscharm. Während das runterschalten in einen schnelleren Gang im Großen und Ganzen gut funktioniert, wirkt das Hochschalten vor allem unter Last ziemlich ruppig und unruhig. Zwar hat Ampler für das Stout mit der Shimano Deore Serie solide und langlebige Komponenten ausgewählt. Bei einem Rad in der Preisklasse um die 2500 EUR würde ich mir allerdings eine etwas hochwertigere Kombination von Schaltwerk und Kassette wünschen, zumal der Preisunterschied dafür echt überschaubar wäre.

Der Vortrieb wird durch einen 250 Watt Elektro-Nabenmotor im Hinterrad bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h unterstützt. Die Steuerung des Motors erfolgt mittels Sensor im Tretlager. Nach ca. einer halben Pedalumdrehung setzt die Motorunterstützung mit der eingestellten Intensität ein und schiebt das Rad deutlich spürbar an. Neben der Möglicheit ohne Elektroantrieb zu fahren, stehen zwei weitere Betriebsarten zur Verfügung, die hinsichtlich der Beschleunigung und Geschwindigkeit über die Smartphone App konfiguriert werden können. Die Auswahl der Betriebsart erfolgt dann entweder über die App oder dem Wahlschalter über der Ladebuchse. Ein Bedienteil am Lenker gibt es nicht – braucht man aber auch nicht unbedingt. Vielmehr musste ich feststellen, dass ich fast immer mit der größtmöglichen Unterstützung unterwegs war und auch die Schaltung komplett vernachlässigt habe. Durch den frühen Einsatz des Motors kann man auch in einem hohen Gang problemlos anfahren, so dass man das Schalten einfach vergisst.

Wenn man den Motor nicht einschaltet bzw. die Unterstützung über die Smartphone App ausschaltet, bemerkt man beim Anfahren einen deutlichen Widerstand, als ob man gleichzeitig etwas abbremst. Der Widerstand lässt ungefähr zu dem Zeitpunkt nach, an dem man mit dem einsetzen der Motorunterstützung rechnen würde. Wenn man nicht in die Pedale tritt und das Rad nur rollen lässt, ist kein nennenswerter Widerstand zu erkennen. Da man vermutlich nur in Ausnahmefällen ohne Motorunterstützung fahren würde, fällt das nicht so ins Gewicht. Wenn der Akku allerdings einmal leer sein sollte, würde mich das beschwerlichere Anfahren stören.

Bremsen

Das Bremssystem besteht sowohl vorne als auch hinten aus hydraulischen Scheibenbremsen (Shimano Deore BR -T6000) und Bremsscheiben mit einem Durchmesser von 160 mm. Der Bremshebel ist am Lenker gut erreichbar und komfortabel mit drei Fingern zu bedienen. Die Bremsleistung ist auch bei hohen Geschwindigkeiten und unterschiedlichen Witterungsverhältnissen kraftvoll und bringt das Stout in kürzester Zeit zum Stehen.

Akkulaufzeit und Aufladen des Stout

Ampler gibt die Akkulaufzeit mit durchschnittlichen 70 km an. Je nach Belastung des Motors soll sie aber zwischen 45-100 km schwanken. Ich habe ein paar längere Touren mit dem Stout gemacht und kann bestätigen, dass bei maximaler Motorunterstützung locker bis zu 70 km drin sind. Wenn man mit weniger Unterstützung unterwegs ist, sind bis zu 90 km realistisch. Hat man einige Höhenmeter zu bewältigen, verringert sich die Akkuleistung dementsprechend.

Die aktuelle Kapazität des Akkus kann man in der Smartphone App ablesen oder an Hand der Farbe des beleuchteten Ein-/Ausschalters einschätzen. Ab ca. 50 % der verfügbaren Akkuleistung ändert sich die Farbe in gelb/orange. Ein rot leuchtender Ring signalisiert, dass der Akku bald wieder aufgeladen werden will.

Das Aufladen des Stout funktioniert mit dem mitgelieferten Ladegerät
an jeder herkömmlichen Steckdose. Auf dem Sattelrohr über dem Tretlager befindet sich eine magnetische Rosenberger Ladebuchse, wie sie auch bei vielen anderen E-Bikes zum Einsatz kommt. Ein leerer Akku ist in 2-3 Stunden wieder vollständig aufgeladen. Das Ladegerät zeigt über eine LED auf der Gehäuseoberseite den Ladezustand des Akkus an. Dadurch das der Akku fest im Unterrohr verbaut ist, kann man ihn nicht zum Aufladen entnehmen. Das Stout muss also zum Aufladen in der Nähe einer Steckdose stehen. Ein Nachteil, den ich zugunsten der unscheinbaren Optik gerne in Kauf nehme.

Laut Ampler ist der eingebaute 48 V Li-ion Akku für insgesamt 600 Ladezyklen ausgelegt. Das soll einer Laufleistung von ca. 40.000 km entsprechen. Ein entsprechend gealterter Akku soll dann aber immer noch über 70% der ursprünglichen Kapazität von 336 Wh verfügen. Verbrauchte Akkus kann man über den Kundenservice bei Ampler wechseln lassen. Wenn man sich den Einbau selbst zutraut oder eine lokale Fahrradwerkstatt damit beauftragen kann, sendet Ampler auch einen neuen Akku zu. Der Wechsel erfolgt dann über eine Wartungsklappe unter dem Tretlager – das Tretlager und die Sensoreinheit müssen dafür aber ausgebaut werden.

Die Ampler App

Im Gegensatz zu anderen E-Bikes verfügt das Stout nicht über ein Bedienteil am Lenker. Stattdessen können alle Einstellungen über die Ampler Smartphone App vorgenommen werden. Gleichzeitig zeigt sie gewünschte Leistungsdaten an und ermöglicht auf Wunsch auch eine Kartennavigation. Allerdings sollte man dafür zusätzlich eine zuverlässige Lenkerhalterung für sein Smartphone kaufen. Ich bin auf Grund der Möglichkeit von Regen und Stürzen kein Fan davon, mein Handy an den Lenker zu montieren. Möglich wäre es aber und das hätte dann hinsichtlich der Funktionalitäten einige Vorteile gegenüber allen gängigen Bedienteilen.

Fazit

Das Ampler Stout ist ein alltagstaugliches Commuter E-Bike und neben dem Arbeitsweg auch für die meisten anderen Fahrten und Radtouren bis ca. 70 km bestens geeignet. Es ist eher ein „Stadtrad“. Einige Höhenmeter sind für das Stout zwar auch möglich, aber nicht gerade die Paradedisziplin des Nabenmotors. Es ist robust und wartungsarm und wird den täglichen Anforderungen der meisten Radfahrer gerecht werden. Bis auf die Kurbelgarnitur setzt Ampler bei Antrieb und Bremsen auf bewährte Shimano Deore Komponenten.

Preislich empfinde ich das Stout mit 2490 EUR als geringfügig zu teuer. Vor allem die Auswahl der Komponenten könnte bei dem Preis etwas hochwertiger sein. Dafür bekommt man aber ein optisch ansprechendes und verhältnismäßig leichtes Fahrrad, das in Bezug auf den Anwendungszweck als Commuter E-Bike fast perfekt funktioniert. Und das Gewichtsersparnis auch seinen Preis hat, ist ja allseits bekannt.

Das Stout muss online über den Ampler Webshop bestellt werden. Es wird dann vormontiert per Spedition nach Hause geliefert. Zur Endmontage muss nur noch der Lenker an den Vorbau geschraubt und die Pedale montiert werden. Ampler liefert dazu einen Satz Innensechskantschlüssel in einem schönen Holzkästchen mit.


 

Noch ein Hinweis zur Transparenz

Die Firma Ampler hat mir das Fahrrad für den Testzeitraum kostenlos zur Verfügung gestellt. Der obenstehende Testbericht spiegelt einzig und allein meine Meinung und die Erfahrungen wieder, die ich während des Testzeitraums mit dem Rad gemacht habe. Die Firma Ampler hat zu keiner Zeit Einfluss auf den Inhalt des Testberichtes genommen, noch bin ich darum gebeten worden, diesen Testbericht zu verfassen.

2 comments

  1. Sehr detaillierter Test, der genau die richtigen Punkte zur Kaufentscheidung anspricht – vielen Dank dafür!

    Eine ergänzende Frage zu deinem Bericht hätte ich allerdings noch: Gibt es bei den neuen Modellen noch die Möglichkeit, die Unterstützung bis 35 km/h zu erhöhen? Jaja, ich weiß: Nur bis 25 km/h zugelassen.

    Ich liebäugle seit einigen Wochen mit einem Bike von Ampler, bin aber noch unschlüssig hinsichtlich des passenden Modells – im Grunde genommen geht es um die ewige Frage: Komfort oder Dynamik? (sprich Curt oder Stout).

  2. Hallo Tobias,

    für die neuen Ampler Modelle kann die Unterstützung über die App auf maximal 25 km/h bei einer Motorleistung von 250 W eingestellt werden. Die Räder entsprechen somit den aktuellen Vorschriften.

    In Bezug auf Stout oder Curt, wäre ich eher beim Stout wegen der entspannteren Sitzposition und dem Gepäckträger, den ich auf dem Weg zur Arbeit benötige. Ich hätte am Stout gerne noch den Gates Carbon Drive Antrieb gehabt. Leider wird er nicht angeboten bzw. kann am Stout wegen des einteiligen Rahmens kein Keilriemen montiert werden.

    Für sportlicheres Fahren würde ich lieber auf Rennrad oder MTB zurückgreifen. Da wäre mir dann auch die Motorunterstützung nicht wichtig.

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