Die Wirtschaft sattelt auf

Auf einen Verleihservice setzt der Anbieter „Rädchen für alle(s)“ in Oldenburg. Radfahrer haben die Möglichkeit, unentgeltlich Quartierlastenräder auszuleihen. Interessierte können sich auf der Website registrieren und Fahrräder buchen. Bildquelle: Rädchen für alle(s) e.V.

[Pressemitteilung]

Die Deutsche Post, der Lieferservice „Foodora“ und zahlreiche andere Unternehmen verlassen sich auf die Dienste des Fahrrads. Mittlerweile spielt das umweltschonende Verkehrsmittel eine tragende Rolle in der Wirtschaft – und steht im Zentrum vieler innovativer Geschäftsideen.

In ganz Deutschland geht das Fahrrad neue Wege. So auch in Wiesbaden, wo mit dem Kiezkaufhaus eine originelle Idee verwirklicht wurde. Das Konzept: In einem Onlineshop wählen User Produkte des täglichen Bedarfs aus – von Biofleisch über Delikatessen, Süßigkeiten bis hin zu Konzert- und Theaterkarten. Die Kunden schicken ihre Bestellung ab und erhalten ihre Ware noch am selben Tag – von Mitarbeitern auf Ökostrom betriebenen Cargo-Bikes. Mithilfe der elektronischen Lastenräder und des Online-Angebots führt das Unternehmen die Geschäfte in Wiesbaden zusammen und hat so ein umweltfreundliches und virtuelles Einkaufszentrum geschaffen. Das beweist: Um das Fahrrad kann sich ein ganzes Geschäftsmodell drehen.

„Je nach Unternehmen nimmt das Fahrrad eine ergänzende oder sogar tragende Rolle ein“, sagt David Eisenberger, Leiter Marketing und Kommunikation vom Zweirad-Industrie- Verband (ZIV). Mittlerweile verlassen sich nicht nur traditionelle Betriebe wie die Deutsche Post auf die Dienste des Zweirades. Vor allem auch jüngere Unternehmen bauen ihr gesamtes Geschäftsmodell auf das Fahrrad auf – etwa der Lieferservice „Foodora“, der Essen mit dem Fahrrad zu den Kunden bringt.

Lastenräder entlasten Innenstädte

Warum die Wirtschaft umsteigt, hängt unter anderem mit gesellschaftlichen Entwicklungen zusammen. „Da immer mehr Menschen online bestellen, steigt der Bedarf an Kurierdiensten und emissionsfreien Transportmitteln“, erklärt Gunnar Fehlau, Geschäftsführer vom Pressedienst-Fahrrad (pd-f). Hinzu kommt, dass viele Innenstädte überlastet sind. Sowohl in Bezug auf den Verkehr als auch auf den Schadstoffausstoß. Auf Probleme wie diese ist das Fahrrad – vor allem das Lastenrad – eine probate Antwort: Es gewährleistet einen schnellen und unkomplizierten Transport, ist kostengünstig, verbraucht kein Benzin und beansprucht eine geringere Parkfläche. In der Logistikbranche spielen die damit verbundenen Einsparungen eine wichtige Rolle. „Kaum eine Branche rechnet mit so spitzem Bleistift“, sagt Fehlau. Trotz der zahlreichen Vorteile sei dennoch klar: „Fahrräder sind in erster Linie für Kurzstrecken geeignet.“

Fahrräder bremsen Autos nicht aus

Die Entwicklung im E-Bike-Bereich zeigt jedoch, dass Radler sich einen größeren Radius erschließen können – ein Trend, der auch die Wirtschaft beeinflusst. „In vielen Unternehmen wird das Pedelec oder E-Bike die Arbeit erleichtern. Das gilt vor allem für logistische Prozesse“, prognostiziert David Eisenberger vom ZIV. Diesen Vorzug hat sich unter anderem das Kiezkaufhaus in Wiesbaden zunutze gemacht, das sich auf die Auslieferung mit Cargo-E- Bikes spezialisiert hat und mit dem Konzept 2016 den vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) verliehenen, deutschen Fahrradpreis gewann.
„Viele Unternehmen setzen bei ihren Dienstleistungen auf das Fahrrad. Das beweist: Deutschland ist ein innovativer Standort, der dem Fahrrad einen immer größeren Stellenwert einräumt“, so Norbert Barthle, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. „Das Fahrrad ist unverzichtbarer Teil unserer Mobilität. Es ergänzt den täglichen Verkehr und trägt zu mehr Nachhaltigkeit bei. Deshalb begrüßen wir, dass Unternehmen rund um das Fahrrad kreative Ideen mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten entwickeln“, erklärt Barthle weiter.

Kleine Unternehmen tragen Risiken

In Zukunft kommt es vor allem auf einen sinnvollen Verkehrsmittelmix an – auf eine Mischung aus motorisierten und nichtmotorisierten Fahrzeugen. Sind Betriebe gewillt, ihre Flotte mit dem Fahrrad zu verstärken, haben es große Betriebe tendenziell leichter. Sie sind am Markt etabliert und verfügen über mehr Kapital. Notwendig ist laut Eisenberger jedoch eines: „Wenn man Fahrräder im Unternehmen integrieren will, muss die Bereitschaft da sein.“ Es müssen Entscheidungen getroffen werden, die durch viele Ebenen im Unternehmen gehen. Organisatorisch leichter haben es hingegen kleine Unternehmen. Entscheidungen lassen sich schneller treffen. „Kleine Unternehmen leben von der Idee“, so Eisenberger. Allerdings sind diese bei Veränderungsprozessen immer einem höheren Geschäftsrisiko ausgesetzt.

„SolarSoundSystem“ aus Berlin hat das Risiko in Kauf genommen und das Fahrrad neu interpretiert. Das junge Start-up-Unternehmen hat ein System konstruiert, das nachhaltige Partys ermöglicht. Wie genau das funktioniert? Ein speziell konstruiertes Dreirad wird an einen Plattenspieler und eine Verstärkeranlage angeschlossen und dient als Generator sowie Speicher für Ökostrom. Die Energie wird über Solarpanels und die Pedalen erzeugt. Das Fahrrad ist aufgebockt und bewegt sich keinen Millimeter vom Fleck. Währenddessen legt der DJ auf. Mittlerweile hat die Kombination aus DJ-Pult und Generator-Rad auf mehr als 500 Privatfesten, Festivals und anderen Veranstaltungen für Aufsehen gesorgt. „SolarSoundSystem“ hat alles auf das Fahrrad gesetzt – und fährt gut damit. Auch wegen Konzepten wie diesen ist Gunnar Fehlau vom Pressedienst-Fahrrad überzeugt, dass der Trend zum Zweirad anhalten wird: „Das Fahrrad ist gekommen, um zu bleiben.“


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Als Helfer bei der Stadtreinigung oder Stütze bei der Warenauslieferung: Viele Unternehmen setzen auf das Fahrrad, integrieren es in ihre Arbeitsprozesse oder nehmen es zum Ausgangspunkt einer Geschäftsidee. Wie das funktionieren kann, beweisen diese neun Unternehmen.

1. Entsorgungsbetriebe Ulm

Saubere Sache: Die Entsorgungsbetriebe Ulm verlassen sich bei der Stadtreinigung nicht nur auf motorisierte Fahrzeuge. Sie setzen auch auf E-Lastenfahrräder. Platz für Arbeitsgeräte und Abfälle bietet die Transportbox auf dem Vorderrad.

Quelle: Entsorgungsbetriebe der Stadt Ulm

2. „TINK“

Das vom Bundesverkehrsministerium geförderte öffentliche Mietsystem für Lastenräder wird in den Pilot-Städten Konstanz und Norderstedt angeboten. 24 Räder stehen an mindestens 12 Standorten bereit. Sie können online oder telefonisch gebucht werden.

Quelle: Winfried Kropp

3. Tricargo

Auch bei Tricargo stehen Lastenräder im Fokus. Die Produkte verschiedener Unternehmen werden von Kurieren direkt an die Kunden geliefert.

Quelle: tricargo

4. Radbonus App

Radeln und absahnen – das ermöglicht die App „Radbonus“. Für jeden gefahrenen Kilometer erhalten Nutzer Boni von Unternehmen, Krankenkassen und Arbeitgebern. Außerdem spornt die App Radfahrer an, häufig in die Pedale zu treten. Sie erhalten Rabatte, Geschenke und Gutscheine.

Quelle: Radbonus

5. „listnride“

Die Sharing Economy ist längst in der Fahrradbranche angekommen. Das Unternehmen „listnride“ bietet Fahrräder zum Verleih per App an.
Interessierte können für die gewünschte Dauer (halbtags, tage- und wochenweise) das passende Fahrrad mieten.

Quelle: List and Ride GmbH

6. Cyclique

Besser gemeinsam statt einsam: Mit der App „Cyclique“ verabreden sich Radfahrer mit Gleichgesinnten für gemeinsame Touren. Die kostenlose Smartphone-Anwendung schlägt Partner und Touren in der Nähe vor. Wenn nichts Passendes dabei ist, kann der User selbst eine Route erstellen und Radfahrer einladen.

Test 1

Quelle: Cyclique

7. SolarSoundSystem

Ökologische Musik – so etwas gibt es: Das Berliner Start-up-Unternehmen „SolarSoundSystem“ hat ein Fahrrad konstruiert, das Ökostrom produziert und dadurch einen Plattenspieler und eine Verstärkeranlage am Laufen hält. Treten Radler kräftig in die Pedale, hat der DJ genug Strom für eine gute Party.

Quelle: SolarSoundSystem

8. Morgenwelt

Auch die Morgenwelt GmbH hat das Rad neu erfunden – und Musik, Nachhaltigkeit und Radfahren in Einklang gebracht. Das Hamburger Unternehmen bietet unter anderem ein Festivalsetting an, das aus 10 Fahrrädern besteht und Konzerte mit Ökostrom über die Bühne bringt.

Quelle: Morgenwelt GmbH


Über die Kampagne 200 Jahre Fahrrad – made in Germany

Seit 200 Jahren gehört das Fahrrad zu den schönsten Arten der Fortbewegung. Es steht für individuelle Freiheit, unabhängige Fortbewegung, gesunde Mobilität und unbegrenztes Fahrvergnügen. Das liegt auch an den vielen Innovationen – made in Germany. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur feiert den Fahrrad-Geburtstag mit einer Jubiläumskampagne, die Fahrfreude mit Erfindergeist verknüpft. Auf der Landkarte der innovativen Orte präsentiert sie Unternehmen, Forschungsprojekte und Fahrrad-Initiativen, die mit ihren Innovationen täglich die Zukunft des Fahrrads mitgestalten. Darüber hinaus ist die Kampagne im Sommer dieses Jahres mit einer Foto-Mitmachaktion auf verschiedenen Fahrrad-Events in Deutschland vertreten.

Weitere Informationen zur Kampagne auf www.bmvi.de/fahrrad

Kampagnenbüro „200 Jahre Fahrrad“
Tel.: 030 700186-404
Fax: 030 700186-294
E-Mail: ber-200jahrefahrrad@s-f.com
www.bmvi.de/Fahrrad

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