Pure Fix Papa – das Fixed Gear Bike im Test

In den letzten Wochen habe ich mich zunehmend mehr mit dem Thema Fixie bzw. Singlespeed Bikes auseinandergesetzt. Nun hat mir die Firma Pure Cycles eines Ihrer Bikes für einen ausgiebigen Produkttest zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um das Pure Fix Papa, einem Bike aus der Serie „Original Fixed Gear Bikes“. Hinter dem Namen „Papa“ verbirgt sich die Kombination aus matt-grauem Rahmen, orangen Felgen und schwarzen Anbauteilen.

Je nachdem, ob man es sich zutraut, die Endmontage des Bikes selbst vorzunehmen, kann man es vormontiert oder mit einem Aufpreis auch in vollständig montiertem Zustand bestellen. Es wird die Montage durch einen Fachhändler empfohlen – aus Sicherheitsgründen sollte man dies auch beherzigen wenn man gar keine Erfahrung als Fahrrad-Schrauber mitbringt. Wenn man die Einzelteile eines Fahrrades benennen und diese in der Vergangenheit bereits einmal montiert oder wenigstens eingestellt hat, stellt die Endmontage aus meiner Sicht aber keine unüberwindbare Herausforderung dar.  In meinem Fall wurde das Bike vormontiert in einem vorbildlich stabilen Transportkarton geliefert.

Um sicherzustellen, dass das Rad sicher und unversehrt den Versand übersteht, wurden sämtliche Rahmen- und Anbauteile sorgfältig mit Schaumstoff und Pappe geschützt. Bis auf den Sattel waren alle Einzelteile mit Kabelbindern zusammengebunden, so dass im Karton nichts umherfliegen kann.

Für den Zusammenbau des Pure Fix Papa sind nur wenige Montageschritte notwendig. Nachdem ich den Rahmen von sämtlichen Schutzabdeckungen befreit hatte, konnte ich das Vorderrad in die Gabel einsetzen.  Die Bremsen, Bremshebel und -züge waren bereits vollständig montiert, lediglich der Lenker musste noch mit dem Vorbau verschraubt und das Spiel im Steuersatz eingestellt werden. Die meisten Gewinde und Kontaktstellen waren schon ausreichend gefettet, da wurde werksseitig sehr gut vorgearbeitet. Nach der Montage des Sattels und des mitgelieferten Pedalsatzes sollte man unbedingt darauf achten, alle Schraubverbindungen nochmals zu kontrollieren und bei Bedarf nachzuziehen.  Bei meinem Testrad waren einige Schrauben nur Handfest angezogen, auch zwei Speichen waren lose – dieser Schritt ist daher absolut wichtig. In meinem Fall hat die Montage ca. 25 Minuten gedauert.

Die Testbedingungen

Ich habe das Pure Fix Papa insgesamt 3 Wochen lang fast täglich für diverse kurze und längere Fahrten eingesetzt. Insgesamt sind dadurch knapp 400 km zusammengekommen, die ich bei verschiedenen Wind und Wetterverhältnissen zurückgelegt habe. Überwiegend das Rad auf meinem täglichen Arbeitsweg ins Büro zum Einsatz. Je nachdem wie viele Umwege ich gefahren bin, waren das zwischen 7 und 15 km für eine Strecke. Dazu habe ich es oftmals während der Mittagspause genutzt und bei verschiedenen Fahrten zum Einkaufen, Familie besuchen oder einfach für eine kurze, schnelle Runde nach der Arbeit. Auf all diesen Strecken fühlt sich das Rad wie zu Hause – das macht es zum perfekten Fortbewegungsmittel z.B. in Städten.

Allgemeiner Eindruck

Zunächst einmal muss man sagen: Durch die leuchtend orangen Felgen ist das Rad sehr auffällig. Das betrifft nicht nur das Papa sondern auch die anderen Pure Fix Modelle, die sich überwiegend durch deren Farbkombination unterscheiden – manche aber auch durch bestimmte Ausstattungsmerkmale wie z.B. Ledersattel oder Bullenhorn-Lenker. Wenn ich damit unterwegs war, wurde ich sehr oft auf das Rad angesprochen und bekam viel positive Rückmeldung. Ohne die mitgelieferten Zubehörteile wie z.B. der Kettenschutz wirkt das Rad sehr clean und auf die Komponenten reduziert, die man benötigt, um damit fahren zu können. „Reduziert“ ist in diesem Fall positiv zu verstehen, denn man kann einfach losfahren ohne sich Gedanken um das Rad machen zu müssen. Entsprechend wenig Zeit muss man in die Wartung des Pure Fix Papa stecken – wartungsintensive Komponenten gibt es schlichtweg nicht.

Rahmen und Gabel

Der Hi-Ten Stahlrahmen wurde sorgfältig verarbeitet und macht insgesamt einen guten Eindruck. Alle Schweißnähte sehen filigran und gleichmäßig aus. Der eher kleine Rohrdurchmesser von 29 mm an Oberrohr und Sitzstrebe sowie 32,4 mm an der Sitzstrebe wirkt dezent und klassisch, resultiert aber wegen der materialbedingten Wandstärke in einem höheren Grundgewicht. Inklusive aller Anbauteile bringt das Pure Fix Papa bei der Rahmenhöhe von 58cm meines Testrades insgesamt 10,9 kg auf die Waage. Im Vergleich zu den eher steifen Bikes aus Aluminium fährt sich der Stahlrahmen gefühlt komfortabler und dämpft kleine Schläge sogar etwas ab. Durch den extrem kurzen Radstand ist das Bike sehr agil und wendig.

Zur Montage von Flaschenhaltern oder Fahrradschlössern sind jeweils zwei Standard Gewindehülsen an Sitzstrebe und Unterrohr vorhanden. Ansonsten gibt es bis auf die Bohrungen für die Felgenbremsen keine Haken, Ösen oder Zuganschläge. Die Gabel verfügt so wie der Hinterbau über eine gewisse Flexibilität und weist im Gegensatz zu dem Rahmen auf jeder Seite zwei Löcher zur Montage von Schutzblechen auf.

Die Lackierung von Rahmen und Gabel ist einwandfrei. Besonders hervorheben möchte ich, dass zusammen mit dem Rad ein kleines Fläschchen des Originallacks mitgeliefert wird. Damit kann man kleine Macken oder Kratzer im Lack einfach selbst ausbessern und den Rahmen wieder gegen Rost schützen. Das ist eine tolle Sache wie ich finde.

Laufräder

Als Laufräder kommen doppelwandige Hohlkammerfelgen mit einer Felgenhöhe von 45 mm zum Einsatz. Als hervorstechendstes Merkmal beim „Papa“ steht die glänzend-orange Felgenfarbe in hohem Kontrast zum matt lackierten Rahmen und zu den schwarzen Speichern. Als optische Aufwertung ist bei jedem Laufrad eine der Speichern in der Felgenfarbe lackiert.

Die eingespeichten Naben sind ebenfalls von Pure Cycles und haben eine Breite von 100 mm vorne bzw. 120 mm am Hinterrad. Die Achsen sind mit dem Rahmen und der Gabel fest verschraubt. Schnellspanner findet man weder an den Laufrädern, noch an der Sattelstütze.

Um den speziellen Anforderungen von Fixed Gear Bikes gerecht zu werden, wurden schwarze ThickSlick Mäntel von WTB in einer Größe von 700 x 28c auf die Felgen aufgezogen. Durch die Gummischicht, die doppelt so dick wie bei herkömmlichen Reifen ist, sind sie mit knapp 650 g pro Reifen zwar keine Leichtgewichte, sollen aber auch schwierigen Straßenverhältnissen genug entgegenzusetzen haben. Laut Hersteller sorgt die eingesetzte „Punkture Protection“ für einen nahezu unüberwindbaren Schutz gegen Durchstiche. Während des Testzeitraumes liefen die ThickSlicks pannenfrei und trotz des fehlenden Reifenprofils sehr gut kontrollierbar. Nach den ersten 400km sehen beide Reifen noch immer aus wie neu.

Lenker

Das Pure Fix kann optional mit verschiedenen Lenkerformen bestellt werden. Bei meinem Testrad war ein gewöhnlicher Riserbar Lenker verbaut. Dieser sorgt durch die leichte Erhöhung für eine komfortable Sitzposition und ist mit einer Breite von 51 cm gerade breit genug um ein kompaktes Handling bei guter Kontrolle zu gewährleisten. Die Griffe sind aus relativ weichem Gummi und sehr griffig. Nach einer Weile zeichnen sich die groben Stollen deutlich auf den Handflächen ab wodurch man immer wieder „umgreifen“ möchte. Darüber hinaus wirken die äußeren Enden der Griffe etwas schwammig, als ob sie nicht vollständig auf dem Lenker sitzen würden. Lock-on Griffe würden hier Abhilfe schaffen.

Der Aluminium Vorbau platziert den Lenker 90 mm vor dem Gabelrohr und hat einen Winkel von 7°. Durch die 3 eingesetzten Spacer besteht etwas Spielraum um die Lenkerhöhe um bis zu 3 cm an die individuellen Bedürfnisse des Fahrers anzupassen.

Sattel

Der Pure Fix Drome Saddle hat eine sportliche Form und ist nur mäßig gepolstert. Da ich mit weichen Satteln oftmals Probleme habe und straffe Polsterungen bevorzuge, bin ich damit gut zurecht gekommen. Ich könnte aber auch nachvollziehen, wenn andere den Sattel als hart bezeichnen würden. Die Sattelstütze aus Aluminium ist ausreichend lang um die Sitzhöhe variabel an verschiedene Schrittlängen anpassen zu können. Darüber hinaus sorgt der Versatz von ca. 35 mm für eine bessere Sitzposition und verlagert den Schwerpunkt weiter in Richtung des Hinterrades.

Antrieb

Das vordere Kettenblatt mit 44 Zähnen treibt die Hinterrad-Nabe über 165 mm lange Kurbelarme an.  Das hintere Laufrad verfügt über eine Flip-Flop Nabe, durch die man selbst entscheiden kann, ob man ein Ritzel mit integriertem Freilaufkörper oder ein Fixed Gear Ritzel bevorzugt, d.h. dass Vor- oder Rückwärtsbewegungen des Bikes immer mit entsprechender Pedal-Umdrehung einher geht. Beide Ritzel haben eine Größe von 16 Zähnen. Damit die KMC Kette nicht durchhängt, kann die Position des Hinterrades im Hinterbau mittels montierter Kettenspanner justiert werden. Der Wellgo Pedalsatz mit integrierten Reflektoren ist langlebig und stabil.

Bremsen

Das Pure Fix Papa ist mit Felgenbremsen an Vorder- und Hinterrad ausgestattet. Die relativ kurzen Bremshebel passen perfekt an den schmalen Lenker und sind gut zu bedienen. Auffällig ist die hohe Abnutzung der Bremsbeläge während der Testphase. Obwohl ich nicht übermäßig viel gebremst habe,  haben die Gummis schon einiges an Material verloren. Gleichzeitig hinterlassen die Bremsen schwarze Streifen auf den lackierten Felgen. Das sieht etwas unschön aus, wirkt sich aber nicht negativ auf die Funktionalität aus. Die Bremskraft ist mehr als ausreichend und gut dosierbar.

Zubehör

Das mitgelieferte Zubehör umfasst vier orange Speichenreflektoren, die bereits mit den Speichen der Laufräder  verschraubt sind. Darüber hinaus vervollständigen rote und weiße Rückstrahler für vorne und hinten, eine laute Fahrradklingel sowie ein durchsichtiger Kettenschutz das Sicherheits-Paket.

Testfazit

Das Pure Fix Papa stellvertretend für die gesamte Pure Fix Modellreihe ist ein völlig unkompliziertes Bike mit hohem Style- und Fun-Faktor. Wenn ich mich als Radfahrer für ein Singlespeed Bike oder ein Fixie entscheide, sollte durch die große Auswahl an verschiedenen Farbkombinationen und teilweise optional auswählbare Komponenten, das für mich passende Modell dabei sein. Das Rad ist bestens für Fahrten auf ebenen Straßen ohne große Höhendifferenzen geeignet. Obwohl kleine Anstiege auch gut zu bewältigen sind, wird es um so schwieriger, je bergiger die Gegend ist, in der ich mit mit dem Rad bewegen möchte.

Mit einem Preis von 379,00 EUR für das Testrad hat das Pure Fix Papa ein sehr gutes Preis Leistungs Verhältnis. Danke der langlebigen Bereifung und den wartungsarmen Komponenten, kann man mit dem Rad lange Zeit viel Spaß haben, ohne dass mit Folgekosten zu rechnen ist. Lediglich bei den Bremsbelägen sollte man auf hochwertigere Teile zurückgreifen – einfach damit diese länger halten und nicht so oft gewechselt werden müssen, aber auch um die schwarzen Bremsstreifen auf den Felgen zu vermeiden.

Alles in Allem kann ich das Pure Fix Papa unter Berücksichtigung der oben aufgeführten Punkte empfehlen. Hier nochmal die Pros- und Contras aus meiner Sicht:

Pro:

 

  • Flexibler Stahlrahmen
  • Gute Fahreigenschaften
  • Agiles Handling durch kurzen Radstand
  • Stylische Optik
  • Robuste ThickSlick Bereifung
  • Lebenslange Rahmengarantie
  • Mitgeliefertes Zubehör

Contra:

 

  • Gewicht
  • Griffe sind auf dem Lenker beweglich
  • Unschöne Bremsstreifen auf den Felgen


Weitere Informationen:

 

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