Ruhrtal-Radweg – Tourbericht

Wie geplant haben wir das vergangene Wochenende für eine ausgiebige 4-tätige Radtour genutzt. Eigentlich wollten wir den Ruhrtal-Radweg von der Quelle in Winterberg bis nach Oberhausen, also nicht bis zum Ende in Duisburg fahren. Ich muss direkt vorweg nehmen, dass wir bereits in Essen Steele den Ruhrtal-Radweg verlassen und via Navigation zurück nach Hünxe bzw. Voerde gefahren sind. Nach der gefahrenen Strecke wollten wir einfach 30km abkürzen und früher zu Hause sein – schließlich spielte ja auch Deutschland am Sonntag-Abend.

Da der Ruhrtal-Radweg mit insgesamt 230 km nicht besonders lang ist und wir ja 4 Tage unterwegs sein wollten, haben wir den Hinweg nach Winterberg auch mit dem Rad zurückgelegt. Die Strecke haben wir einmal unterbrochen und in Münster im Jugend- und Gästehaus am Aasee übernachtet.

Tag 1: Voerde – Münster

Am Donnerstag ging es für mich um 8:30 Uhr los, um meinen Mitfahrer Mario in Hünxe abzuholen. Wie auch an den folgenden Tagen war es morgens noch etwas frisch, bis zum Mittag sollten die 20°C aber geknackt werden. Für meine Verhältnisse sind das ideale Radtour-Bedingungen.

Von Hünxe aus ging es weiter in Richtung Dorsten auf der Römer-Lippe Route bis Haltern am See. Dort haben wir auch die erste kurze Pause in einer örtlichen Bäckerei bei Milchkaffee und Streuselkuchen eingelegt.

Kurz nach dieser Pause setze ein kontinuierliches Knacken an der rechten Pedale ein. Das war zwar überhaupt nichts schlimmes und wird die Tour in keiner Weise negativ beeinträchtigen, aber jeder Radfahrer kennt wohl die Situation, sofort mit der Ursachenforschung zu beginnen, wenn man irgendwo am Rad ein Knacken, Knirschen oder ein anderes ungewohntes Geräusch feststellt. Total nervig – wie vermutet hat mich dieses Knacken auch die komplette Tour hinweg begleitet, da ich natürlich keine Ersatzpedalen mit hatte (wer nimmt sowas schon mit), aber auch kein passendes Werkzeug um die Pedalachse zu zerlegen – darauf hatte ich abends nach Beendigung einer Etappe auch keine Lust. Von Haltern ging es auf diversen Wegen weiter bis nach Münster, das wir nach 95km gegen 14:00 Uhr erreichten.

Das Jugend- und Gästehaus am Aasee kannte ich schon von vergangenen Radtouren, auf denen ich in Münster Station gemacht hatte. Die Herberge war mit mehreren Schulklassen voll belegt. Man hat uns in einem kleinen separaten Flur in einem riesigen Zimmer mit Kühlschrank, Fernseher und Balkon untergebracht – vielleicht ein VIP-Betreuerzimmer oder sowas, da hatten wir gleich am ersten Tag mal Glück. Die Räder konnten wir im hauseigenen Fahrradkeller unterstellen, das ist in Jugendherbergen ja immer total klasse.

Da wir so früh unser erstes Etappenziel erreicht haben, konnten wir uns die Innenstadt von Münster noch etwas ansehen und sind am Ende im Extrablatt hängen geblieben, um zunächst nochmal Kaffee und Kuchen und später dann auch das Abendessen dort einzunehmen – lecker – eigentlich wie immer im Extrablatt. Im Restaurant Uferlos, das ich von meiner letzten Tour noch kannte und das direkt neben der Jugendherberge liegt, gab es leider ab 18:00 Uhr kein warmes Essen mehr. Echt schade, damals war ich dort echt begeistert.

Obwohl die Jugendherberge in Münster echt super ist, fehlt es an einem gemütlichen Bistro Bereich. Es gibt nur ein paar Automaten und natürlich kann man sich dort auch irgendwo hinsetzen, aber so gemütlich wie in den meisten Jugendherbergen in Rheinland Pfalz ist es eher nicht.

Da an Tag 2 die längste Strecke der Tour und jede Menge Höhenmeter vor uns lagen, sind wir früh schlafen gegangen.

Tag 2: Münster – Winterberg

Frühstück um 7:30 Uhr war der Plan, schließlich hatten wir an Tag 2 einiges vor und wollten spätestens um 08:00 Uhr wieder auf unseren Rädern sitzen. Ich habe die Strecke bis Winterberg einfach über Komoot geplant ohne besonderen Wert darauf zu legen, dass sie auch besonders schön ist. In diesem Fall hat Komoot wirklich einen tollen Job gemacht, denn rückblickend betrachtet war dieses Teilstück mit Abstand das Schönste der ganzen Tour.

Die ersten 75km verlief die Strecke relativ flach, danach wurde es so langsam bergiger und man konnte erahnen was uns noch bevorstand. Die erste Pause haben wir wieder in einer Bäckerei gemacht – diesmal in Lippborg kurz vor Soest bei Milchkaffee und einer Nussecke.

Nach knapp 90km führte uns Komoot in einen Wald, in dem wir eine beachtliche Rampe bis auf die Spitze eines Berges schieben mussten. Ein Weg war fast nicht erkennbar, dazu ging es über Äste und Wurzelwerk – Mit dem Mountainbike vielleicht ok, mit dem Trekking Rad und mit 20kg Gepäck beladen nicht zu befahren.

Wenn man irgendwo oben angekommen ist, geht es zum Glück meistens auch wieder runter. Die Rechnung ging nicht komplett auf, da Winterberg knapp 1000 Meter höher liegt als Voerde, trotzdem ging es im Anschluss an dieses Waldstück mehrmals hoch und wieder runter.

Als nächste große Stadt lag Warstein auf der Route, allerdings war Warstein als Stadt nicht besonders einladend, eher wie ein großes Industriegebiet mit ein paar Trink- und Spielhallen. Die nächste geplante Pause haben wir daher nicht in Warstein sondern in Eversberg (kannte ich vorher nicht) ungefähr bei km 115 gemacht – wieder beim Bäcker mit Milchkaffee und Schokokuchen – die Kalorien steigen parallel zu den gefahrenen Kilometern.

Die nächsten 30km ging es weiter auf sehr wechselnden Untergründen von grobem Schotter bis aneinandergelegten Betonplatten bis nach Winterberg. Alleine auf diesem Teilstück hatten wir an die 800 Höhenmeter zu bezwingen, wodurch doch deutlich unsere Kraft und am Ende auch ein wenig die Motivation gelitten hat. Um so glücklicher waren wir, als wir das Winterberger Ortseingangsschild erreichten. Kurz danach wurde uns dann bewusst, dass es zur Jugendherberge noch weitere 10km waren und das diese praktisch oben auf dem kahlen Asten lag (oder nur kurz darunter). Das vorbeilaufende Partyvolk, das sich in das Winterberger Nachtleben aufgemacht hat, konnte trotz der Anfeuerungsrufe unsere Laune nicht mehr verbessern. Der einzig positive Gedanke in diesem Moment war der, dass wir am darauffolgenden Tag die ganzen Höhenmeter wieder herunterfahren konnten.

Letztendlich erreichten wir nach 155km und knapp 1600 Höhenmetern die Jugendherberge in Winterberg. Diese wurde im Mai diesen Jahres neu eröffnet und hat in Bezug auf die Einrichtung der Zimmer und Aufenthaltsräume etwas von einer Skihütte. Sie hatte wohl ein Jahr geschlossen und wurde komplett renoviert – das hat sich sichtlich gelohnt, da sollte man bei Gelegenheit nochmal hin und vielleicht ein paar Tage länger bleiben.

Wir selbst wollten uns am Abend keinen Meter mehr zu Fuß oder mit dem Rad bewegen und sind daher mit dem Taxi auf Empfehlung des Taxifahrers zu einem griechischen Restaurant gefahren. Dort haben wir toll gegessen und gleichzeitig das Eröffnungsspiel der EM geschaut – alles wieder gut.

3. Tag: Winterberg – Hagen

Für die heutige Etappe standen ca. 144 km bis zur Jugendherberge nach Hagen auf dem Programm. Die Route verlief auf dem Ruhrtal Radweg und startet an der Ruhrquelle, bei der es sich um eine unspektakuläre Pfütze handelt – muss man nicht unbedingt gesehen haben. Nachdem wir im Winterberger Edeka Markt unsere Wasservorräte erneuert hatten, ging es los und schon nach der ersten Abbiegung hatte ich Mario verloren. Die örtliche Beschilderung läßt dort echt zu wünschen übrig, dazu kam, dass die Telekom am Vormittag Probleme mit Ihrem Mobilfunknetz hatte und wir uns gegenseitig nicht erreichen konnten. So sind wir erst mal ein paar Kilometer alleine, d.h. jeder für sich gefahren bis Mario, der meine Verfolgung aufgenommen hatte mich dann auch irgendwann einholen konnte. Am nächsten Berg hat er dann seine Kette zerlegt, was für uns die nächste Zwangspause bedeutete. Zum Glück hatten wir ausreichend Ersatzteile mitgenommen um das gebrochene Kettenglied zu entnehmen und die Kette wieder zu reparieren. Nebenbei bemerkt regnete es an diesem Morgen – zum Glück nur wenige Tropfen, daher war es kein Problem und eher erfrischend als störend. Der Regen hat irgendwann nachgelassen, trotzdem war es an diesem Tag kälter als an den Vortagen. Vielleicht lag es an dem fehlenden Sonnenschein das entgegen meiner Erwartung nur wenige Radfahrer auf dem Ruhrtal Radweg unterwegs waren. Wir haben eigentlich nur ein paar Senioren auf ihren Pedelecs getroffen.

Kurz hinter Schwerte verließen wir den Ruhrtal Radweg in Richtung Hagen. Keine besonders schöne Strecke aber der direkte Weg zur Jugendherberge und unser Ziel an diesem Tag. Die Jugendherberge in Hagen machte zunächst äußerlich einen guten Eindruck, unser Zimmer war allerdings das kleinste und ungemütlichste Zimmer, in dem ich jemals gewohnt habe. Dusche und Toilette lag auf dem Flur, es gab nur eine kleine Waschgelegenheit, zwei kleine Schränke und ein Etagenbett für 2 Personen. Seltsamerweise wurde uns ein Doppelzimmerzuschlag berechnet, obwohl es ohnehin nur für 2 Personen ausgelegt war.

Im Duschraum gab es vier Wachbecken und vier relativ kleine Duschkabinen. In einer Duschkabine gab es in Bauchhöhe eine Art Druckschakter zum Anstellen des Wassers und zu regeln der Wassertemperatur. Das Wasser selbst kam aus einer fingerdicken Hochdruckdüse, die den Massagestrahl des heimischen Duschkopfes wie ein leichtes Plätschern aussehen lässt.
Das Ganze hatte etwas von einer Dekontaminationsschleuse, wie man sie aus Endzeitfilmen kennt, dafür war man in Null-Komma-Nichts geduscht.

Ansonsten war die Jugendherberge ganz ok, abends noch Fußball-Rudelgucken light vor dem Flachbild-Fernseher im Eingangsbereich. Die Betten waren super, oder ich einfach so müde, dass ich auch auf dem Boden hätte prima schlafen können. Das Frühstück am nächsten Morgen war wie in allen Jugendherbergen völlig in Ordnung. Trotzdem würde ich das nächste Mal auf ein anderes Haus ausweichen.

4. Tag: Hagen – Voerde

Wie eingangs schon geschrieben wollten wir am letzten Tag nicht wieder 140 km fahren sondern uns eher an maximal 100km orientieren. Zum Glück habe ich irgendwann begriffen wie man in der Komoot App einzelne Wegpunkte aus einer geplanten Route wieder entfernt. Dadurch haben wir schnell herausgefunden, dass wir bei ca. 102km landen würden, wenn wir in Essen Steele den direkten Weg über Hünxe nach Voerde nehmen.

Die doch eher schlechten Eindrücke, die wir am Vortag von Hagen bekommen haben, wurden wieder relativiert, denn die Route führte diesmal durch die schöneren Stadtteile vorbei an der Fernuni Hagen in Richtung Herdecke und im weiteren Verlauf über Witten und Hattingen bis nach Essen immer entlang der Ruhr auf dem Ruhrtal Radweg. Im Vergleich zum ersten Streckenabschnitt wo der Ruhrtal Radweg zwar größtenteils entlang der Ruhr, aber oftmals auch durch Gewerbegebiete führte, ist die Strecke vor allem am Kemnader See und in Witten, wo wir mit der Ruhrtalfähre „Hardenstein“ die Ruhr überquerten sehr schön zu fahren.

Wie beschrieben liessen wir uns ab Essen Steele nach Hause navigieren und waren dann am Ende auch froh dort angekommen zu sein und die Beine hochlegen zu können bis am Abend dann Deutschland gegen die Ukraine angepfiffen wurde.

Wie ich hörte sind uns besonders schöne Teile des Ruhrtal Radweges entgangen, da wir ihn nicht bis Duisburg gefahren sind. Hier wurden wohl einzelne Teilstrecken völlig neu angelegt – muss man also irgendwann nochmal fahren. Grundsätzlich kann ich sagen, dass der Ruhrtal Radweg sehr abwechslungsreich und gut zu fahren ist. Viele sagen ja, dass es der schönste Radweg Deutschlands ist, ich persönlich bin immer noch Fan vom Rhein-Radweg, den ich unbedingt auch nochmal in Richtung Niederlande fahren möchte.

Nun noch etwas Statistik:

  • 510 Gesamtkilometer in 4 Tagen gefahren
  • 3080 Höhenmeter insgesamt
  • 28 Stunden reine Fahrzeit

Falls jemand die Tour nachfahren möchte, hier die GPS Tracks:

8 comments

  1. Respekt Rene, letztes Jahr habe ich mit einem Kumpel nur die schönere Strecke gefahren. Sprich von Winterberg bis nach Voerde. Sicherlich ist der umgekehrte Weg der schwierigere ! Eine Klasse Anleitung für Nachahmer, danke dafür. Liebe Grüsse, der Achim

  2. Hallo Achim,

    danke für Deinen Kommentar. Für den Fall dass die Strecke wirklich jemand nachfahren möchte habe ich die GPS Tracks der jeweiligen Abschnitte hinzugefügt.

    Nebenbei bemerkt scheint derjenige, der den orginalen GPS Track des Ruhrtal Radwegs aufgezeichnet hat, teilweise eine andere Strecke gefahren zu sein. Auf jeden Fall folgt der Track nicht der Beschilderung. Zum Glück ist diese aber so gut, dass man den GPS Track nicht zwingend benötigt.

    Viele Grüße,
    Rene

  3. Danke Rene,
    schöner Bericht. Viele sagen ja, der schönste Teil liegt zwischen Essen und Duisburg. Wir werden uns ab Sonntag mit den Rädern an Haase und Ems erfreuen können, 450 – 500 Kilometer stehen auf dem Roadbook.

  4. Hallo Wolfgang,

    ja das habe ich auch gehört, den teil werde ich dann irgendwann ochmal fahren müssen um mitreden zu können.
    Fahrt Ihr denn dann auf dem Emsradweg? Den bin ich ja auch mal gefahren, war aber nicht so begeistert. Zum Einen verändert sich die Strecke nicht besonders, ist ungefähr so wie entlang des Wesel-Dattel-Kanals zu fahren. zum Anderen hatten wir bei der Tour leider Regen und der Radweg war damals mit einem hellbraunen Schotter/Erde Gemisch ausgelegt und spritzte trotz Schutzblechen an uns hoch. Wir mussten uns und die Räder am Ende in der Waschstraße einer Aral Tankstelle mit dem Hochdruckreiniger wieder säubern bevor wir die Jugendherberge betreten konnten.

    Aber es soll ja schönes Wetter werden. ich wünsche Euch viel Spaß!

    Viele Grüße,
    Rene

  5. Wir sind in diesem Jahr zu Ostern von Winterberg bis Duisburg zum Rheinorange gefahren. Samstag um 9 Uhr ging es los und am Sonntag Abend kurz vor dem Sonnenuntergang sind wir in Duisburg angekommen. Das Rheinorange hatte wunderbar geleuchtet, durch die letzten strahlen der Sonne (wie es jetzt nach der Renovierung sein wird). In Schwerte wurde in einem alten Pfarrhaus übernachtet.

    Insgesamt waren es 241 Kilometer und 15 Stunden reine Fahrzeit.

  6. Hi Timo,

    wir fahren den Ruhrtal-Radweg ab kommenden Sonntag nochmal und übernachten in Fröndenberg und Essen.
    Also die gesamte Strecke in 3 Etappen, am letzten Tag fahren wir aber auch noch von Duisburg nach Spellen zurück. Hoffentlich hält das Wetter…

  7. Mit dem Wetter ist es immer so eine Sache, aber wem stört so etwas schon. Wir Radfahren doch, weil es so toll ist 😉
    Am Morgen als wir zur zweiten und letzten Etappe gestartet sind, hatte es in strömen geregnet, am Nachmittag hatte es aufgehört.
    Ich wünsche viel Spass.

Kommentar verfassen

Scroll Up