Rhein-Ruhr-Marathon 2018

 

Seit 6 Jahren habe ich an keiner offiziellen Laufveranstaltung mehr teilgenommen und hatte das auch eigentlich nicht mehr vor. Als mein Schwager Anfang des Jahres ihn und seine Frau für Ihr Halbmarathon-Debut in Duisburg angemeldet hat, entschloss ich spontan, mich den beiden anzuschließen. Es waren ja immerhin noch einige Monate Zeit, um dafür zu trainieren und früher, als ich noch aktiv Marathon gelaufen bin, ging ein Halbmarathon ja sogar ohne Training. Also meldete ich mich ebenfalls für den Lauf an – mit dem festen Vorhaben, ab sofort wieder öfters laufen zu gehen.

Nun hatten wir dieses Jahr aber einen gefühlt nicht enden wollenden Winter, der mit schlechtem Wetter bis in den April hinein erfolgreich gegen meine Motivation arbeitete. Zwischenzeitlich hatte ich das eine oder anderen Mal die Zeit gefunden, kleinere Runde bis max 12 km zu drehen. Dennoch war mein Trainingszustand Mitte April noch immer als „eher untrainiert“ zu bezeichnen. Meine Schwägerin Tina war hingegen während der vergangenen Monate viel zielstrebiger als ich. Sie ist regelmäßig mehrfach pro Woche laufen gewesen und konnte Ihre Distanzen regelmäßig steigern. Mit jeder Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit erhöhte sich sozusagen mein schlechtes Gewissen.

Da ich natürlich weiß, dass man nicht völlig blauäugig einen Halbmarathon angehen sollte, fing ich ebenfalls an, dafür zu trainieren. Allerdings startet mein Training erst Anfang April, also ca. 8 Wochen vor dem Rhein-Ruhr Marathon. Ich absolvierte jede Woche mehrere Laufeinheiten. Jede Woche muss ich allerdings wieder relativieren, denn ich zwar ja Anfang Mai für knapp 2 Wochen in Italien zum Radfahren – dort hatte ich zwar keine Laufeinheiten, dafür aber tägliche lange Radeinheiten – immerhin. Letztendlich habe ich es nicht geschafft, vor der Veranstaltung mal einen kompletten Halb-Marathon zu laufen und war daher entsprechend skeptisch, ob das für mich überhaupt zu schaffen ist oder nicht.

Ich war aber auch nicht so ehrgeizig, den Lauf unter allen Umständen schaffen zu wollen. Vielmehr wollte ich es darauf ankommen lassen und evtl. vorzeitig abzubrechen, falls ich mich schlecht fühlen sollte oder die Distanz am Ende dann doch zu lang für mich sein sollte. Aus Erfahrung weiß ich, dass trotz Training und aller Vorbereitung auch noch andere Rahmenbedingungen zu beachten sind, wie z.B. hohe Temperaturen oder grundsätzlich das Wetter, Laufen in einer großen Gruppe, zu viel Trinken wegen der zahlreichen Verpflegungsstände, etc.

Zum Start um 10:00 Uhr sah es nicht so aus, als wenn die Temperaturen zu einem Problem werden könnten. Das Thermometer zeigte 19°C an – zum Laufen erst einmal ideale Voraussetzungen. Wir sortierten uns offensichtlich an der richtigen Stelle in das Starterfeld ein, denn  wir hatten das gleiche Tempo wie die meisten Mitläufer um uns herum. Wenn man dauernd von anderen Läufern überholt wird, bekommt man ja schnell den Eindruck, dass man zu langsam ist und die ganze Gruppe aufhält, das war zum Glück nicht der Fall.

Bis km 15 bin ich ein relativ konstantes Tempo gelaufe. Das war geringfügig schneller als Mario und Tina laufen wollten, daher hatte ich ab Kilometer 5 etwas Abstand zu den Beiden. An Verpflegungsständen habe ich, so wie im Training, ausschließlich Wasser getrunken, und zwar im Gehen – was schon schwierig genug war. Teilweise hatte es fast Unterhaltungswert, wie Andere in vollem Lauf versucht haben, einen Becher Wasser auszutrinken oder sich über langsamere Mitläufer beschwert haben, die vor dem Verpflegungsstand ihr Tempo verringerten um nach einem Becher zu greifen. Ich hätte nicht gedacht, dass es bei den zu erwartenden Zielzeiten derjenigen, die ich unterwegs getroffen habe, um ein paar Sekunden oder sogar Minuten ging – erstaunlich…

Zwischenzeitlich wurde es dann doch ganz schön warm auf der Strecke, so dass ich auch etwas mehr trinken musste, als das normalerweise der Fall ist. Bei jeder Gelegenheit habe ich mir mit einem halben Becher Wasser den Schweiß aus dem Gesicht gewaschen und die andere Hälfte direkt über den Kopf geschüttet. Zusätzlich hatten einige Anwohner mit Gartenduschen und Rasensprengern für zusätzliche Abkühlung gesorgt. Das fand ich sehr nett – hab ich auch gerne in Anspruch genommen und mit Sicherheit auch dadurch kaum Probleme mit der Hitze gehabt.

Bei mir verlief soweit alles nach Plan, bis ich nach ca. 17 km entschieden hatte, eine der Dixi-Toiletten am nächsten Verpflegungsstand aufzusuchen. Ich war zu dem Zeitpunkt nicht der Einzige, der das vorhatte und musste vor der Toilette etwas warten. Als ich nach 10 Minuten wieder auf die Strecke ging, war allerdings nichts mehr wie vorher. Meine Beine fühlten sich schwer an und in der linken Wade kündigte sich ein Krampf an. Ich versuchte die Muskulatur wieder etwas zu lockern und versuchte ein paar hundert Meter locker zu gehen um die Belastung zu verringern.

Im Nachhinein betrachtet war das ziemlich ärgerlich, denn ich hätte die restliche Distanz sicher auch noch ohne Toilettengang überstanden. Wenn man es positiv sehen möchte, hatten mich durch die kurze Zwangspause Tina und Mario wieder eingeholt, so dass wir dann gemeinsam die restliche Distanz bis zum Ziel laufen konnten. Die letzten 2 km waren jedoch ganz schön anstrengend für mich, auch wenn ich sie ohne weitere nennenswerte Probleme hinter mich bringen konnte.

Der Zieleinlauf in die Schauinsland-Arena ist wie immer in Duisburg ein toller Abschluss, sorgt kurzzeitig für Gänsehaut und lässt alle Probleme für den letzten Kilometer vergessen.

Als Fazit bin ich mit dem Lauf sehr zufrieden. Wenn ich mehr Zeit in die Vorbereitung gesteckt hätte, hätte ich bestimmt problemlos bis zum Ende durchlaufen können. Auch meine Zielzeit wäre vermutlich besser gewesen, aber ist eigentlich nebensächlich für mich. Wenn ich den Rhein-Ruhr-Marathon im nächsten Jahr erneut laufen sollte, werde ich mich wahrscheinlich wieder für die Halb-Marathon Distanz entscheiden. Marathon Läufe habe in der Vergangenheit mehrere erfolgreich geschafft und somit keine Ziele mehr in dieser Richtung.

Ein Großer Vorteil des Halbmarathon Laufs ist aber gut Stimmung an der Strecke und in der Schauinsland Arena. Ungefähr bei Kilometer 30 treffen die Halbmarathonläufer wieder auf die reguläre Marathon Strecke, das hat man deutlich an der Anzahl und Aktivität der Zuschauer gemerkt. Wenn man den Halbmarathon unter 2:30 Stunden schafft, entspricht das einer Marathon-Zielzeit von weniger als 4 Stunden. Man läuft also zusammen mit den meisten Läufern ins Ziel. Dadurch kommt es zu einer tollen Atmosphäre im Stadion.

Darüber hinaus muss man im Vergleich zu anderen Läufen positiv erwähnen, das es im Ziel neben allen möglichen Soft-Getränken auch kostenloses Bier gibt. In dem Bierwagen wurde über einen Zeitraum von mehreren Stunden ein Bier nach dem Anderen gezapft. Da kam ganz schön etwas zusammen. Natürlich sind die Kosten dafür überschaubar und tragbar für die Duisburger Getränkefirmen, trotzdem finde ich es gut dass diese sich entsprechend engagieren und solche Läufe und dadurch auch die Läufer unterstützten.

Ein großes Dankeschön möchte ich noch an Alle richten, die bei der wirklich reibungslosen Organisation mitgewirkt haben. Danke auch an die zahlreichen Helfer an den Verpflegungsstationen und natürlich auch an alle Polizisten und Ordner, die entlang der Strecke für Sicherheit gesorgt haben!

Weitere Informationen:

 

 

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