Bikeparts und Zubehör aus dem 3D Drucker


Viele Zubehörartikel für Fahrräder sind aus Kunststoff oder können aus Kunststoff hergestellt werden. Mit modernen 3D Druckern können solche Fahrradteile schnell und kostengünstig „ausgedruckt“ werden. Natürlich rentiert sich die Anschaffung eines 3D Drucker genau zu diesem Zweck erst nach sehr langer Zeit. Wer aber bereits einen 3D Drucker hat oder z.B. aus technischem Interesse ohnehin einen anschaffen wollte, kann den Vorteil für sich ausnutzen und benötigte Teile, Werkzeuge, Halterungen usw. einfach selbst produzieren.

Die Entwicklung individueller 3D Modelle bedarf schon einiges an technischem Verständnis und Übung im Umgang mit der Software. Alternativ kann man tausende Vorlagen bereits im Internet herunterladen, um diese für sich selbst drucken und verwenden zu können. Das Gute ist, das die Menge der erhältlichen Vorlagen täglich zunimmt, weil viele kreative Menschen so nett sind, und ihre konstruierten 3D Modelle auf Portalen wie beispielsweise Thingiverse.com, Pinshape.com oder MyMiniFactory.com hochladen und auf diese Weise der Allgemeinheit zur Verfügung stellen.

Natürlich basieren viele dieser Vorlagen auf den im Handel erhältlichen Produkten. Manchmal sind es auch Weiterentwicklungen davon oder nur kleinere Ersatzteile, die einzeln nicht gekauft werden können. Ein paar Vorlagen, möchte ich in diesem Artikel vorstellen.

Kurbelarm-Schutzkappen


Damit die teilweise lackierten Enden der Kurbelarme nicht verkratzen oder sonst irgendwie beschädigt werden, schützen Kunststoff-Kappen die empfindlichen Oberflächen. Entsprechende Vorlagen gibt es für alle gängigen Kurbel-Hersteller. Im Bild sieht man die passenden Kappen für meine Shimano XT Hollowtech II Kurbeln. Im Handel gibt es ähnliche Kappen z.B. von Race Face oder SRAM für knapp 9 EUR. Die selbstgeduckte Variante ist mit einem Preis von unter 50 Cent deutlich günstiger. Und darin sind die Stromkosten für die Druckzeit von 2 Stunden bereits enthalten.

Link zur Vorlage auf Thingiverse.com

 

Einstelllehre für Rennrad Bremsen



Es existieren sehr viele Vorlagen, die man im weitesten Sinne als Werkzeuge oder Hilfsmittel bezeichnen kann. Insbesondere einfache Spezialwerkzeuge mit besonderer Verzahnung wie z.B. für Kurbelschrauben, bei denen keine großen Kräfte zum Tragen kommen, lassen sich gut aus ABS Kunststoff herstellen. Ein sehr nützliches Tool kommt bei mir immer mal wieder zum Einsatz wenn ich die Felgenbremsen am Rennrad nachstelle. Es handelt sich um eine Messhilfe, die zwischen Bremsbelag und Felge geschoben werden kann, um beim einstellen oder auswechseln der Bremszüge den idealen Abstand zu erhalten. Von der Form her passt es vermutlich nicht auf alle Rennrad Felgen, bei den Mavic Felgen an meinem Rennrad funktioniert es perfekt.

Link zur Vorlage auf Thingiverse.com

 

Flaschenhalter



Alle Arten von Anbauteilen, die am Fahrradrahmen, der Sattelstange oder dem Lenker befestigt werden, eignen sich hervorragend für den 3D Druck. So auch dieser Flaschenhalter, den ich einigermaßen formschön finde, obwohl er auf Grund der benötigten Stabilität nicht so filigran konstruiert werden kann wie z.B. ein Flaschenhalter aus Carbon. Dafür kostet er nur ein Bruchteil davon und kann sich auch mit [xxx]g auch vom Gewicht her sehen lassen. Durch die Vielzahl an erhältlichen Kunststoffen, kann er optisch an die Rahmenfarbe angepasst werden. Dennoch gefallen mir die im Fachhandel gekauften Flaschenhalter etwas besser, aber das ist natürlich Geschmacksache. Wer es ausgefallen mag oder keine Taschen am Trikot hat, kann sich auch Weiterentwicklungen mit integrierten Bananen-Halterungen drucken.

Link zur Vorlage auf Pinshape
Link zur Vorlage mit Bananenhaltern

 

Smartphone-Halter für den Lenker

Da anscheinend viele Radfahrer Ihr Smartphone am Rad befestigen wollen, gibt es auch dafür bereits brauchbare Lösungen zum direkten Download. Diese sind entweder universell einsetzbar oder aber wurden für bestimmte Smartphone Modelle entworfen. Die meisten werden am Lenker befestigt, manche davon sind sogar drehbar. Die Linke Halterung ist für ein Iphone gedacht und wird mit zwei Schraubverbindungen am Lenker befestigt. Dadurch dass die Halterung etwas breiter konstruiert wurde als das Gerät, passt das Iphone auch dann noch hinein, wenn es bereits in einer Hülle steckt.

Das mittlere Bild zeigt die Ultraleicht-Variante einer Handyhalterung. Sie besteht nur aus zwei dünnen Haltestreben, die zusammen weniger als 10g wiegen. Sie werden überkreuzt zusammengesteckt und mit Kabelbindern auf dem Vorbau befestigt. Das Ganze sieht für meinen Geschmack etwas fragil aus, hat aber in der Praxis ganz gut funktioniert.

Die Halterung auf dem rechten Foto besteht aus zwei Teilen. Einer Hülle mit rückseitigen Aussparungen und der eigentlichen Lenkerhalterung mit passenden Kupplungsstück, auf das die Hülle „aufgedreht“ wird. Wenn man mehrere Fahrräder hat, kann man die Halterung natürlich gleich mehrfach ausdrucken. Dadurch hat man das Handy immer im Blick, egal mit welchem Rad man unterwegs ist.

Link zur Snap-Lock Halterung
Link zur Vorlage der Ultraleicht-Halterung
Link zur Iphone 6/6s Lenkerhalterung

 

Fahrradständer



Der praktische Fahrradständer ist täglich bei mir im Einsatz und absolut passgenau für Shimano 105 Kurbelarme. Das Original aus dem Fachhandel kennen wahrscheinlich sehr viele – die 3D gedruckte Variante funktioniert genau so gut. Allerdings sollte man beim Druck entweder auf stabileren Kunststoff wie z.B. ABS setzen und nicht am Material sparen. Gerade eine zu geringe Wandstärke oder unzureichende Füllungen rächen sich schnell, in dem der Fahrradständer bei Krafteinwirkung einfach einknickt oder durchbricht. Wenn man den Materialbedarf für den Fahrradständer ausreichend dimensioniert, hat man lange Freude daran.

Link zum „Bicycle Stand“ auf Thingiverse

 

Kettenverschleißlehre



Ob eine Kette verschliessen ist oder nicht, kann man durch messen des Abstands der Kettenglieder feststellen. Einfacher geht es mit der 3D gedruckten Kettenverschleißlehre. Sie wird mit einem Ende in ein Kettenglied gesteckt. Wenn das andere Ende der Meßlehre dann oben auf einem Kettenglied aufliegt, kann die Kette weiterverwendet werden und alles ist in Ordnung. Wenn das Ende jedoch ebenfalls in das Kettenglied passt, dann ist die Kette verschlissen und sollte ersetzt werden.

Im Fahrradgeschäft sind solche Kettenverschleißlehren aus Metall z.B. von Shimano oder Rohloff zu bekommen und kosten dann zwischen 10 und 20 EUR. Im 3D Drucker war die Kettenverschleißlehre in knapp 40 Minuten fertig und hat Kosten in Höhe von 28 Cent verursacht. Natürlich sind die professionellen Messgeräte wesentlich haltbarer, das Preis-Leistungs-Verhältnis gewinnt aber erneut die selbstgedruckte Variante aus Kunststoff.

Link zur 3D Vorlage auf Thingiverse.com

 

Mountainbike Bashguard


Eines der ersten 3D gedruckten Teile war bei mir ein Bashguard für ein Mountainbike. Der Grund dafür war nicht unbedingt, dass ich es im Vergleich zu herkömmlichen Bashguards besser finde, sondern weil ich es sofort nutzen konnte. Aufwändigere Umbauten an meinen Rädern mache ich meistens abends oder am Wochenende. Es besteht dann oftmals nicht die Möglichkeit, zum Fahrradgeschäft zu fahren, so dass ich meine Arbeiten dann immer unterbrechen muss, bis ich alle benötigten Ersatzteile zusammen habe. Die Möglichkeit, fehlende Teile einfach selbst zu produzieren, bringt zeitlich gesehen schon einige Vorteile mit sich. Auch wenn farbiger Kunststoff optisch nicht immer das Material meiner Wahl ist, ist es in vielen Fällen vollkommen ausreichend in Bezug auf die Festigkeit und auf jeden Fall individueller als gekaufte Produkte. Vor allem wenn man das 3D Modell selbst entwickelt hat.

Link zum MTB Backguard auf Thingiverse.com

Fazit

Die Herstellung von Bikeparts mit einem 3D Drucker ist immer dann sinnvoll, wenn es um Teile handelt, die in der benötigten Form über den Fachhandel nicht zu beziehen oder wie im Falle von Spezialwerkzeug einfach zu teuer für den einmaligen Anwendungsfall sind. Allerdings ist das Ergebnis abhängig von der Wahl des richtigen Materials und der Druckauflösung. Hochwertigeres Material und längere Druckzeit wirkt sich auf die Druckkosten aus, in den meisten Fällen, wird der 3D Druck aber günstiger sein, als ein vergleichbares Produkt aus dem Fachhandel. In der Regel sehen handelsübliche Produkte aber optisch wertiger aus, da man die Oberflächen von 3D Drucken erst entsprechend bearbeiten müsste, um gleichwertige Ergebnisse zu erzielen.

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