B’Twin Rockrider 520 – das Einsteiger Hardtail von Decathlon im Test

Wer mit dem Mountainbikesport beginnen möchte oder ein günstiges Mountainbike für gelegentliche Touren in einfachem Gelände sucht, greift gerne zu einem günstigen Einsteiger Modell. Fast jeder Hersteller hat ein solches Bike im Programm – so auch die Firma Decathlon, für die ich das Rockrider 520 Hardtail während der vergangenen Wochen ausgiebig testen konnte.

Das Rockrider 520 war bei der Lieferung bereits vormontiert, daher musste ich nur wenige Einstellungen vornehmen, bevor es fahrbereit war. Für die Endmontage nach der Lieferung benötigt man einen 4mm Innensechskantschlüssel für die Ausrichtung des Lenkers, sowie ein 15mm Maulschlüssel für die Montage des mitgelieferten Pedalsatzes. Die Pedalgewinde sind ungefettet, man sollte sie daher vor der Montage mit herkömmlichem Montagefett behandeln. Einfacher wäre es, wenn diese bereits vorgefettet wären, das machen ja die meisten Hersteller mit ihren Pedalsätzen auch so und ich vermute, das die Zielgruppe des Rockrider 520 nicht in allen Fällen Montagefett im Haus hat. Neben den Pedalen besteht das mitgelieferte Zubehör aus der bereits am Lenker montierten Klingel und einem Speichenreflektor pro Rad.

Zuletzt musste ich noch die Sattelhöhe auf meine Körpergröße einstellen. Das ging mit dem angebrachten Schnellspanner sehr einfach und schnell. Entsprechend der Bedienungs- und Montageanleitung habe ich vor der ersten Ausfahrt noch alle Verschraubungen überprüft. Bei meinem Testbike gab es nichts zu beanstanden, denn alle Schrauben waren entsprechend der auf den Komponenten aufgedruckten Drehmomente ordentlich angezogen. Auch die Schaltung, d.h. sowohl das hintere Schaltwerk als auch der vordere Umwerfer waren werksseitig perfekt voreingestellt. Die mechanischen Scheibenbremsen könnten für meinen Geschmack wesentlich „bissiger“ sein. Im Auslieferungszustand musste man schon ganz schön an dem Bremshebel ziehen um ordentlichen Bremsdruck auf die Scheiben zu bringen. Ich war gespannt, wie sich die Bremsen im Einsatz verhalten.

Mein erster Eindruck vom Rockrider 520 war überaus positiv. Der Alu-Rahmen wirkt stabil und die Schweißnähte an den Verbindungsstellen sehen einwandfrei aus. Insgesamt ist das Rad gut verarbeitet und wirkt hochwertiger als es der günstige Anschaffungspreis zunächst vermuten lässt.

Die erste Ausfahrt mit dem Rockrider 520

Auf der ersten, kurzen Probefahrt, machte ich mich mit dem Bike vertraut.  Ich schaltete die Gänge durch, testete das Bremsverhalten und stellte die Federgabel auf mein Körpergewicht ein. Bei der verbauten U-fit 80 Gabel macht man das nicht, indem man die Zugstufe und den negativ Federweg justiert, sondern durch eine simple Einstellschraube, die man so weit links oder rechts herum dreht, bis das eigene Körpergewicht im Sichtfenster erscheint. Man kann demnach nur die Vorspannung der Feder justieren. Das erlaubt keine besonders genaue Einstellung, dafür schafft es fast jeder auch ohne entsprechenden Sachverstand – also auch jeder Anfänger, eine weitestgehend passende Einstellung mit nur einem Handgriff selbst hinzubekommen. Das ist eine gute Idee und dürfte dem Anspruch der meisten Fahrer des Rockrider 520 gerecht werden.

Was und wie wurde getestet?

Während des Testzeitraums von 30 Tagen wurde das Rockrider 520 auf mehreren Ausfahrten mit Distanzen von 25 – 70km Länge ausgiebig getestet. Dabei wurden hauptsächlich Wald- und Forstwege mit verschiedenen Untergrundbeschaffenheiten befahren. Es wurden Strecken ausgewählt, die nicht zu technisch sind und weder extreme Steigungen noch starke Gefälle beinhalteten.  Solche Strecken dürften das vorwiegende Einsatzgebiet des Rockrider 520 sein, da sie auch von ungeübteren Fahrern gut bewältig werden können.

Design

Das Design des Rockrider 520 ist sehr gelungen wie ich finde. Bei dem Rahmen wurden unterschiedliche Profile und Rohrdurchmesser verwendet. Besonders durch das Vierkantprofil am Oberrohr, dessen Breite sich zur Sattelstange hin etwas „verjüngt“, sieht es individuell und sportlich aus. Das Rockrider 520 ist matt lackiert und in den Farben schwarz/grau/blau, neon-gelb, dunkelblau oder dunkelgrau erhältlich. Durch die aufgebrachten Decals werden einzelne Details passend zur Rahmenfarbe optisch abgesetzt. Bei meinem Testrad handelte es sich um die Farbkombination schwarz/grau/blau, das ist aus meiner Sicht die dezenteste Variante.

Der Rahmen

Beim Rockrider 520 besteht der Rahmen aus 6061er Aluminium und überzeugt mit hoher Steifigkeit und niedrig liegendem Tretlager. Dadurch verhält es sich in Kurven schön agil. Außerdem kommt es dem Vortrieb zur Gute, so wie auch die Laufradgröße von 27,5″ bzw. 650B, für die der Rahmen vorgesehen ist. Die Sitzstrebe ist sehr stabil ausgelegt, dadurch werden Schläge oder Stöße kaum absorbiert und direkt an den Fahrer weitergegeben. Das erfordert etwas mehr technisches Können, damit man beim schnellen Überfahren von Wurzeln oder anderen Unwegsamkeiten nicht aus dem Sattel gehoben wird. Der Rahmen vermittelt aber jederzeit ein sicheres Fahrgefühl, so dass man sich schnell darauf einstellen kann, wie sich das Rad in verschiedenen Situationen verhält. Das direkte Feedback auf die Beschaffenheit des Untergrundes stellt daher keinen Nachteil dar, so dass die Vorteile des agilen und wendigen Fahrverhaltens überwiegen.

Mein Testrad hatte die Rahmengröße L, was bei einer Körpergröße von 1,78m passend, aber schon fast grenzwertig war. Auf Grund meiner Beinlänge musste die Sattelstütze sehr weit aus dem Sitzrohr herausragen. Dadurch kommt es zu einer sportlicheren Sitzposition, was mir persönlich entgegenkommt. Wer ungefähr so groß ist wie ich und auf eine komfortablere Sitzposition Wert legt, kann durch Verstellung des Vorbaus entsprechend entgegenwirken oder sich alternativ für die Rahmengröße XL entscheiden.  Jeder, der in Bezug auf die Rahmengröße unsicher ist, sollte eine der vielen Decathlon Filialen aufsuchen und sich dazu beraten lassen – auch ein Probesitzen auf verschiedene Rahmengrößen ist dort möglich, was vor dem Kauf immer empfehlenswert ist.

U-fit 80 Federgabel

Die B’Twin U-fit 80 Federgabel hat mit 80mm einen eher eingeschränkten Federweg. Während meinen Testfahrten, habe ich ihn jedoch als ausreichend empfunden. Die Gabel dämpft Stöße mit einer mechanischen Feder und zusätzlichen Elastomeranschlägen ab. Wenn man wie oben beschrieben, die Vorspannung der Feder dem Fahrergewicht angepasst hat, funktioniert das einigermaßen gut. Allerdings lag in meinem Fall die beste Einstellung ca. 8-10kg unter meinem realen Körpergewicht. Die Gewichtsanzeige dient daher eher als Ausgangswert und muss dann je nach persönlichem Fahrgefühl nach oben oder unten korrigiert werden. Mit der von mir vorgenommenen Einstellung federte die Gabel zwar noch immer etwas träge ein, sorgte bei Bodenwellen oder Wurzeln aber für ein recht komfortables Fahrverhalten.

Sattel und Sattelstütze

Die Wahl des richtigen Sattels ist ja immer so eine Sache und unter Umständen findet man den richtigen Sattel erst nachdem man verschiedene andere ausprobiert hat. Der B’Twin Ergo Fit Evo Sattel hat mich daher positiv überrascht. Er ist sportlich ausgelegt und vermittelt ein härteres Sitzgefühl, jedoch ohne dabei auf längeren Ausfahrten unkomfortabel zu werden. Er ist ergonomisch ausgeformt und entlastet dadurch den Dammbereich und die Sitzhöcker und sorgt insgesamt für eine gute Druckverteilung. Ich bin darauf überwiegend mit einer gepolsterten Fahrradhose gefahren. Auf längeren Touren würde ich das auch empfehlen, aber auch kürzere Strecken sind ohne zusätzliches Sitzpolster kein Problem.

Der kleinere Durchmesser der Sattelstütze von 27,2mm verringert das Gewicht des Rockrider 520 und verbessert den Fahrkomfort dadurch, dass sie eine gewisse Flexibilität besitzt. Stöße und Unebenheiten werden beim Überfahren aber nur geringfügig abgefedert. Durch den montierten Schnellspanner ist eine Verstellung der Sitzhöhe leicht und ohne Werkzeug auch unterwegs problemlos durchführbar.

Lenker mit höhenverstellbarem Vorbau

Der Vorbau ermöglicht durch seine Form und die integrierten Spacer die flexible Einstellung des Lenkers in fünf Stufen bis zu einer maximalen Erhöhung um 3cm. Je nach Rahmengröße sind Vorbau und Lenker unterschiedlich lang. Bei der Rahmengröße meines Testrades ist der Vorbau 80mm lang und der Lenker 680mm breit. Insbesondere der breite Lenker verbessert das Lenkverhalten und sorgt für eine gute Kontrolle bei Kurvenfahrten. Die Griffe sind weich und durch das Lamellenprofil auch bei Regen sehr griffig und rutschfest.

Kraftübertragung mit 24 Gängen

Der Antrieb des Rockrider 520 besteht am Hinterrad aus einem SRAM X3 Schaltwerk mit einer SRAM PG820 8-fach Kassette und bietet eine Übersetzung von 11 bis 32 Zähnen. Vorne wurde ein Microshift MS22 Umwerfer verbaut, der die Kette über die Ritzel der SRAM S200-Kurbelgarnitur bewegt.  Das Dreifach-Kettenblatt hat eine Abstufung von 22/32/42 Zähnen. Das Durchschalten der 24 Gänge übernehmen SRAM X4 Shifter mit optischer Ganganzeige, die Ihre Aufgabe zusammen mit dem Schaltwerk schnell, präzise und geräuscharm erledigen. Dem Umwerfer muss man bei Schaltvorgängen etwas Zeit geben und dabei den Druck auf den Antrieb am besten etwas verringern – auf diese Art vermeidet man ein Klemmen der Kette insbesondere beim Hochschalten auf das größte Kettenblatt.

Nachteilig finde ich die Tatsache, dass keines der vorderen Ritzel einzeln getauscht werden kann. Sofern es hier zu einem Verschleiß gekommen ist, muss die Komplette Kurbel getauscht werden. Bei dem Preis für die Kurbelgarnitur dürfte sich der Nachteil allerdings wieder relativieren, den das Einsparpotenzial in Bezug auf Ersatzteile ist in diesem Fall überschaubar.

Zu dem Rockrider 520 gehört ein Pedalsatz, was eigentlich unüblich ist aber dem Konzept folgend dazu beiträgt, direkt ein vollständiges und fahrbereites Fahrrad geliefert zu bekommen. Die Pedale sind aus leichtem Kunststoff und relativ rutschsicher, jedoch sind die Kugellager nicht besonders drehfreudig. Dies vermittelt den Eindruck eines leichten Widerstandes beim pedalieren.

Die Bremsen

Beim Rockrider 520 kommen mechanische Hayes Scheibenbremsen mit einem Scheibendurchmesser von 160mm zum Einsatz. Bedient werden diese über Tectro Bremshebel, die am Lenker bequem mit 2 Fingern erreicht werden können und ein verhältnismäßig leichtes und dosiertes Bremsen ermöglichen. Mit der werksseitigen Voreinstellung der Bremsen hatten diese jedoch einen viel zu späten Druckpunkt und waren dadurch in ihrer maximalen Bremsleistung etwas eingeschränkt. Wer das Rockrider 520 ausschließlich im normalen Straßenverkehr einsetzt, wird damit in den meisten Fällen gut zurecht kommen. Wenn es auf eine schnellstmögliche Verzögerung bei einer Vollbremsung ankommt oder die Bremsen dauerhaft zur Kontrolle der Geschwindigkeit auf einem abschüssigen Singletrail benötigt werden, kommen diese mit der Werkseinstellung schnell an ihre Grenzen. Die Tectro Bremshebel verfügen über eine manuelle Bremszugnachstellung, doch auch diese war nicht ausreichend um die Bremskraft deutlich zu verbessern.

Das Nachstellen der Bremszüge am Bremskörper war daher absolut erforderlich und sorgte letztendlich auch für eine akzeptable Bremskraft mit gutem Druckpunkt und ausreichend Reserven am Bremshebel. Bei stärkerer Beanspruchung zum Beispiel auf abschüssigen Trails werden die Bremsen ziemlich warm und verlieren dadurch zusätzlich an Bremskraft.

 B’Twin Laufräder und Reifen

Die doppelwandigen Aluminium Laufräder machen einen steifen Eindruck. Die verbauten Naben lassen auf Grund des Durchmessers eine ordentliche Lagerung vermuten und laufen einwandfrei und geräuschlos. Die haben einen Durchmesser von 27,5″ und sind mit Schnellspannern montiert. In der Vorder- und Hinterrad-Felge steckt jeweils ein Speicherreflektor. Die B’Twin All-Terrain Mäntel geben insbesondere durch das seitliche Profil einen guten Halt in Kurven, aber auch die Lauffläche ist ausreichend griffig und überzeugt durch sein Abrollverhalten.  Die Gummimischung der Mäntel scheint eher weich zu sein, was sich in Bezug auf die Lebensdauer nachteilig auswirken dürfte, dafür profitieren sie von einem höheren Grip besonders auf Asphalt. Auf den Flanken des Mantels ist eine Tabelle aufgedruckt, mit der man in Abhängigkeit des Körpergewichtes  ablesen kann, wieviel Bar in denReifen gepumpt werden muss. Wie auch bei der Gewichtsangabe der Gabel handelt es sich meiner Meinung nach eher um Richtwerte. Die besten Fahreigenschaften erzielte ich mit einem Luftdruck von 2,5 Bar.

 

Mein Fazit

Das Rockrider 520 überzeugt durch aufeinander abgestimmte Komponenten, bietet viel Fahrspaß und ein hervorragendes Preis-Leistungs Verhältnis. Natürlich ist es ein Einsteiger Hardtail, was sich vor allem darin bemerkbar macht, dass bei der Auswahl der Anbauteile überwiegend auch Einstiegs-Komponenten zum Einsatz kommen. Das Gesamtgewicht des Testrades in der Rahmengröße L liegt mit 14,55 kg in der Preisklasse im guten Durchschnitt. Insbesondere der günstige Anschaffungspreis von 299 EUR macht es für diejenigen interessant, die ein solides Fahrrad mit geringem Wartungsaufwand für gelegentliche Ausfahrten auch mal abseits von asphaltierten Strecken suchen, also z.B. auf Schotter oder durch Waldgebiete. Radfahrer mit genau diesem Anspruch werden mit dem Rockrider 520 viel Spaß haben.


Pro Contra
 Komfortable Rahmengeometrie
 Gute Fahreigenschaften
Günstiger Anschaffungspreis
Umfangreiches Zubehör
Pedale etwas schwergängig
Klingel ist zu leise


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